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Das Brustwarzen-Piercing (engl. Nipple Piercing)

Das Brustwarzen-Piercing ist wohl eines der beliebtesten "Intim-Piercings"; falls man es denn als Intim-Piercing bezeichnen möchte. Unbestritten gehört die Brustwarze zu den erogenen Zonen und ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal der Frau. Auch für den Mann hat ein Brustwarzen-Piercing durchaus eine stimulierende Wirkung und verstärkt die Empfindung der oftmals weniger empfindlichen Brustwarzen wie kleine Antennen.
Nichtsdestotrotz die Einordnung als Intimpiercing ist und bleibt wohl, anders als bei Piercings im Intimbereich, eine persönliche Einschätzung der eigenen Empfindung, also bleiben wir bei den Fakten.

Das BW-Piercing

Das Brustwarzen-Piercing ist recht beliebt und relativ gleich auf beide Geschlechter verteilt, es ist also kein primär weiblich oder männlich favorisiertes Piercing. Auffallend ist, dass einzig beim Dehnen der Brustwarzen sich das Gleichgewicht mehr zum Mann hin verschiebt. So neigen Männer eher dazu dickere Stärken zu tragen, was allerdings größtenteils auch der Anatomie geschuldet ist; aber dazu später mehr.

Mann mit Brustwarzen-Piercing - Foto: Nilz
Mann mit 2 Brustwarzenpiercings
Foto: Nilz

Die Geschichte

Werfen wir zuerst einmal einen Blick in die Geschichte und Entstehung des Brustwarzen-Piercings. Recherchiert man zu dem Thema im Internet trifft man schnell, ähnlich dem Bauchnabelpiercing, auf eine weit verbreitete Legende. Sind es beim Bauchnabel noch die Ägypter, die diesen schon gepierced haben sollen, so sind es bei der Brustwarze die Römer. Dieses "Märchen" geht zurück auf Doug Malloy, der ausgehend von einem Bild einer römischen Statue, welche einen Brustschild (Harnisch) trägt an dem ein Ring zum Befestigen eines Umhangs auf Höhe der Brust befestigt war. Die Idee, dass man im alten Rom ein Gewand an seinem Brustwarzen-Piercing befestigt haben soll, schien interessant genug um als Gerücht bis heute die Runde zu machen. Sicher, man traut den dekadenten genusssüchtigen Römern sicher aller Hand Fetisch und Ideenreichtum zu, aber eine solche Befestigung wäre primär einmal nicht sehr alltagstauglich. Verbannen wir diesen "Ursprung" also in das Reich der Mythen. Etwas gesicherter sind da historische Quellen, in denen vom Indianerstamm der Karankawa berichtet wird. Die trugen Piercingschmuck aus Schilfrohr in den Brustwarzen und der Unterlippe. Auch bei anderen Naturvölkern sind derlei Piercings belegt. Es bleibt jedoch schwierig seinen Ursprung oder ein tatsächliches Auftreten des Brustwarzen-Piercings in der westlichen Kultur und Geschichte nachzuweisen.
Es taucht zwar immer wieder in der Literatur auf, ist sicher auch immer mal getragen worden, aber leider nicht fundiert belegt oder zu irgendeiner Zeit oder Gesellschaft so akzeptiert oder weit verbreitet gewesen wie heute; zumindest war es uns nicht möglich das in unseren Recherchen zu belegen. Die deutlichsten Belege finden sich mit Hinweis auf die modische Zierde der weiblichen Brust am Hofe der Königin Isabelle Prinzessin von Bayern und Königin von Frankreich um 1400.
Dann kommt erst einmal lange nichts bis das Piercing der Brustwarze plötzlich als aufsehenerregende Extravaganz Viktorianischer Mode um 1890 wieder auftaucht.
Der "Bosom Ring" wird in mehreren Quellen dieser Zeit erwähnt. Um die Jahrhundertwende wurde es dann stiller um das Brustwarzen-Piercing bis in den 20er und 30 Jahren dann endlich erste Fotobeweise entstanden und Persönlichkeiten wie Ethel Granger den Weg für die moderne Bodymodification bereiteten.

Die Gegenwart

Das Brustwarzen-Piercing wie wir es heute kennen, geht dann auf Piercing-Pioniere wie Jim Ward und Fakir Musafar zurück, die in dem Magazin PFIQ erste Anleitungen und Eckpunkte für das moderne Piercing geschaffen haben. So überrascht es nicht, dass gleich der erste Beitrag der Artikel-Reihe "Pierce with a Pro" dem Brustwarzenpiercing gewidmet war. Gleich in der zweiten PFIQ Ausgabe (~1978) ging es also schon um dieses beliebte Piercing. Dieser Artikel wurde so oft aktualisiert und ergänzt wie kein anderer aus der Reihe; in den Ausgaben #20 (~1983 - weibliche Brust), #27 (~1985 - männliche Brust), #34 (~1987 - wieder weibliche Brust) und #40 (~1989 - noch einmal männliche Brust) gab es Updates und weitere Informationen zum Thema. Es gab also schon immer die Fragen, Vorurteile und Ängste, die einem auch heute noch begegnen wenn das Piercen der Brustwarze Thema ist. Die Brust und besonders die Brustwarze ist halt sehr empfindlich und liegt nahe am Herzen, die Sorgen und Ängste sind also verständlich und sollten nicht verharmlosend abgetan werden. Jedes Piercing ist primär einmal eine Wunde und birgt dadurch Risiken und Gefahren. Ein Piercing ohne Risiko gibt es nicht. Auf der anderen Seite sind nur sehr wenige ernste Komplikationen medizinisch dokumentiert, die auf ein Brustwarzen-Piercing zurückgeführt werden. Das mag auf der einen Seite daran liegen, das sich die Kausalität nicht immer auftut und der Bereich Piercing auch sonst nicht besonders sorgfältig seitens der Medizin dokumentiert wird, aber selbst im Vergleich zu anderen Piercings sticht das Brustwarzen-Piercing nicht durch überproportional viele oder ernste Probleme und medizinische Notfälle hervor. Eine Risikobewertung dieses Piercings bleibt also schwierig.

Anatomie & Platzierung

 
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Die Autoren

Der Artikel "Brustwarzen - Piercing" erschiehn zuerst im Expand Magazin Nr. 6 (Nov. 2006) und wurde von Thorsten Sekira (Piercer) und Stephan Strestik (wildcat-ink, Google+) geschrieben.

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