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Profil von: lipuma
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22.01.2008 17:00:40 / ... / ... [#lang]

Anlässlich meines Artikels zum Thema: Tattoo oder Piercing bei radiologischen Untersuchungen wie Röntgen, CT oder MRT [DE] kam die Frage "wie sicher sind RFIDs im MRT?" auf. Ich bin zwar kein Fachmann auf dem Gebiet RFID (dafür aus Gründen des Datenschutzes ein bekennender Gegner), habe mich aber etwas schlau gemacht zu dem Thema und durch die freundliche Überlassung zweier RFID Implantate durch Frenumtraeger die Möglichkeit, RFIDs in einem 3 Tesla MR-Scanner zu testen.

Ich möchte hier nicht lang und breit auf das technische Prinzip von RFIDs eingehen, der interessierte Leser kann sich z.B. auf folgenden Webseiten selbst einen Überblick verschaffen: wikipedia.org/ [DE] und b-i-t-online.de.

Nur ganz kurz zum Prinzip:
Über einen, mit einer kleinen Antenne verbundenen Mikrochip werden gespeicherte Daten ausgelesen und zum Identifizierung des RFID Trägers verwendet (z.B.: Passwörter, Kontodaten, Reisepass, usw.). RFIDs besitzen i.d.R. keine Stromversorgung, sind also passiv und haben aus diesem Grund eine sehr geringe Reichweite von weniger als 1 Meter. Die Reichweite hängt von der Frequenz der RFIDs ab. Bisher sind folgende Frequenzbänder zugelassen (Quelle: wikipedia.org, s.o.):

  • Niedrige Frequenzen (LF, 30–500 kHz). Diese Systeme weisen eine geringe Reichweite auf, arbeiten in der am häufigsten verwendeten 64-bit-read-only-Technologie einwandfrei und schnell genug für viele Anwendungen. Bei größeren Datenmengen ergeben sich längere Übertragungszeiten. LF-Transponder sind günstig in der Anschaffung, kommen mit hoher (Luft-)Feuchtigkeit und Metall zurecht und werden in vielfältigen Bauformen angeboten. Diese Eigenschaften begünstigen den Einsatz in rauen Industrieumgebungen, sie werden jedoch auch z. B. für Zugangskontrollen, Wegfahrsperren und Lagerverwaltung (häufig 125 kHz) verwendet. LF-Versionen eignen sich auch für den Einsatzfall in explosionsgefährdeten Bereichen. Hier können ATEX zertifizierte Versionen eingesetzt werden.
  • Hohe Frequenzen (HF, 3–30 MHz). Kurze bis mittlere Reichweite, mittlere Übertragungsgeschwindigkeit, mittlere bis günstige Preisklasse der Lesegeräte. In diesem Frequenzbereich arbeiten die sog. Smart Tags (meist 13,56 MHz).
  • Sehr hohe Frequenzen (UHF, 433 MHz (USA, DoD), 850–950 MHz (EPC und andere)). Hohe Reichweite (2–6 Meter für passive Transponder ISO/IEC 18000–6C; um 6 Meter und bis 100 m für semi-aktive Transponder) und hohe Lesegeschwindigkeit. Niedrige Preise für kurzlebige passive Transponder, höhere Preise für dauerhafte Transponder, tendenziell hohe Preise für aktive Transponder. Einsatz z. B. im Bereich der manuellen, halbautomatischen, automatisierten Warenverteilung mit Paletten und Container-Identifikation (Türsiegel, License-Plates) und zur Kontrolle von einzelnen Versand- und Handelseinheiten (EPC-Tags) sowie für KFz-Kennzeichen (bisher nur UK). Typische Frequenzen sind 433 MHz, 868 MHz (Europa), 915 MHz (USA), 950 MHz (Japan).
  • Mikrowellen-Frequenzen (2,4–2,5 GHz, 5,8 GHz und darüber). Kurze Reichweite für ausschließlich semi-aktive Transponder von 0,5 m bis 6 m bei rasanter Lesegeschwindigkeit wegen hoher Passagegeschwindigkeit für Fahrzeuganwendungen (PKw in Parkhäusern, Waggons in Bahnhöfen, LKw in Einfahrten, alle Fahrzeugtypen an Mautstationen).

Die von mir untersuchten RFIDs basieren laut Frenumtraeger auf einer Frequenz von 125 kHz, liegen also im Low Frequency Band. Das hat bzgl. der Wechselwirkung zum verwendeten 3 Tesla MRT folgende Bedeutung:

  • Ein MR Scanner mit einer Feldstärke von 3 Tesla arbeitet in einem Frequenzbereich von ca. 128 MHz. D.h. alle im MR verwendeten Antennen sind auf diese Frequenz im High Frequency Band abgestimmt. Durch die unterschiedlichen Frequenzen von RFID (125 kHz) und MRT (128 MHz) kann es zu KEINEN Kopplungseffekten kommen! D.h. das RFID nimmt keine vom MRT ausgesendete Leistung auf und wandelt diese in Wärme um. Dies ist analog zu einem Radio, wenn der Empfänger (Radio) nicht richtig eingestellt (getuned) ist, kann kein vom Sender (Radiostation) ausgestrahltes Signal (Musik) empfangen werden.

Ich habe aus diesem Grund nicht mit einem Platzen, Verglühen oder ähnlichem gerechnet. Das bedeutet, der in der Folge beschriebene Test tangiert nur 125 kHz RFIDs und sagt nichts über das Verhalten von RFIDs mit anderen Frequenzbändern aus!

Material & Methoden:

  • 2 RFID mit 125 kHz
  • 1 3 Tesla MR Scanner mit 128 MHz
  • 1 Apfel
  • Klebeband & Tüte
  • Untersuchungssequenz: Fast Spin Echo (Turbo Spin Echo, RARE) mit einer Aufnahmezeit von ca. 6 min. Auswahlkriterium für diese Sequenz, war die, bei dieser Sequenz verwendete, extrem hohe Sendeleistung!


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Die beiden RFIDs neben dem Apfel
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Ein im Apfel implantierter und mit Tape gesicherter RFID
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Apfel und RFID in Tüte verpackt im MR Scanner


Da der MR Scanner wie im obigen Artikel erklärt auf starken Magnetfeldern basiert, konnte den Scanvorgang nicht filmen. Ich habe mich aber neben den Scanner gestellt, um ein etwaiges Verglühen, Explodieren, etc beobachten zu können. Es ist während der ganzen 10 min Scanzeit (leider) nichts passiert!

Ich habe nach dem Scan sofort den Apfel und den RFID aus dem Scanner geholt, begutachtet und die Temperatur gemessen:

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Temperatur des RFID direkt nach dem MRT in °C


Wie man sieht lag die Temperatur des RFID ungefähr bei Zimmertemperatur, was aber nicht bedeuten muss, dass zu Beginn oder während des MRT die Temperatur nicht stark angestiegen ist. Ein Online-Temperaturmessen während des MRT ist wiederum wegen des starken Magnetfeldes nicht möglich!

imgdb
MRT des Apfels mit dem RFID
Auf den MRT Bildern des Apfels sieht man deutlich, dass Teile des Apfels in der Umgebung des RFID (unten links in den Bildern)

  • verzerrt und
  • artefaktbehaftet (Signalauslöschung)

sind. Eine Interpretation realer Untersuchungen wäre daher nicht oder nur eingeschränkt möglich!

Zusammengefasst kann man sagen, dass ich bei der MRT der verwendeten RFIDs keine Effekte beobachten konnte und die Bildqualität stark beeinträchtigt war! Ich kann weder etwas über den Zustand der RFIDs vor noch nach dem Experiment sagen. Falls die Dinger vorher schon defekt waren, hätte man eh keinen Effekt gesehen und ob sie jetzt noch funktionsfähig sind, kann ich nicht nachprüfen!

ACHTUNG: Dieser Test hat nur eingeschränkte Aussagekraft und betrifft ausschliesslich RFIDs mit einer Frequenz von 125 kHz und feldstärken von 3 Tesla. Wer sich also mit seinem implantierten RFID ins MRT legt und hinterher keine Hand mehr hat, ist selbst schuld. Ich lehne jegliche Verantwortung ab!


NACHTRAG: ich habe dummerweise die Sendefrequenz al 135 MHz angegeben (warum auch immer). die richtige sendefrequenz für 3 Tesla MR Scanner ist ca. 128 MHz. Ich habs oben verbessert!

14.01.2008 17:53:02 / ... / ... [#lang]

am 12.01. habe ich das abstract der studie:

Prevalence of tattooing and body piercing in Germany and perception of health, mental disorders, and sensation seeking among tattooed and body-pierced individuals

von Aglaja Stirn, Andreas Hinz und Elmar Braehler geblogt. da ich am samstag nicht den ganzen artikel zur verfügung hatte, habe ich versprochen, ihn mir zu besorgen und eine zusammenfassung der studie nachzureichen. also bitte:

studienteilnehmer: 2043 aus dem telefonbuch zufällig ausgesuchte leute im alter von 14 -93 jahren. die leute wurden zu hause besucht und von einem psychologen befragt. 8.5% der befragten waren tätowiert, 6.8% gepierced. bodymod leute lebten öfter in städtischen gebieten als auf dem land und waren unterdurchschnittliche kirchenbesucher *grins*. bodymod leute waren signifikant öfter arbeitslos als nicht-bodymods. lobes wurden übrigens als nichtsignifikantes piercing betrachtet und zu den nicht-gepiercten zugeordnrt.

testprozedur: die teilnehmer haben eigenständig 3 international anerkannte normierte fragebögen zur generellen gesundheit, lebensqualität und risikobereitschaft ausgefüllt.

ergebniss: in zwei der fragebögen (GHQ-12 und SF-36) zeigten tattoo-träger einen signifikanten zusammenhang zur geistigen gesundheit. der begriff geistige gesundheit (mental health) ist hier nicht näher beschrieben, auch die entsprechenden fragen sind nicht aufgeführt. gepiercte leute zeigen nur in einem test (SF-36) einen trend zu einem zusammenhang zur geistigen gesundheit. was die risikobereitschaft (sensation seeking, adrenalin junkie) so zeigen sowohl tätowierte als auch gepiercte einen signifikanten zusammenhang im test (AISS). es wurde übrigens bei beiden kein zusammenhang zu depressionen gefunden!

viel mehr info war nicht rauszuholen. also gepiercte kommen noch mal so davon. wir armen tätowierten müssen sich wohl damit abfinden, geistig ungesund zu sein ;-D

das ist wiedermal so ne studie, wie sie nur als resultat einer medizinischen doktorarbeit entstanden sein kann. das möchte ich übrigens durchaus als despektierlich verstanden wissen. also in den müll damit.

dass bodymods risikofreudiger sind als nicht-bodymods liegt in der natur der sache - es braucht eine gewisse bereitschaft sich schmerzen und sozialer "verachtung" (blödes wort - trifft aber was ich meine) auszusetzen. also so what! was geistige gesundheit ist, muss ich mir mal von einem geistig gesunden erklären lassen ;o)

in diesem sinn, immer schön weiter inken und piercen - no risk no fun


12.01.2008 11:32:23 / ... / ... [#lang]

Da bin ich doch im Web auf eine wissenschaftliche Studie aus Frankfurt und Leipzig gestossen, die herausgefunden habe will, das wir Bodymod-Leute verrueckt bzw. soziale Idioten sind! Vermutet habe ich das ja schon immer, jetzt hab ich den Beweis endlich schwarz auf weiss.


Hier die Zusammenfassung des Artikels auf englisch:



Prevalence of tattooing and body piercing in Germany and perception of health, mental disorders, and sensation seeking among tattooed and body-pierced individuals


Aglaja Stirn, Andreas Hinz and Elmar Braehler


Department of Psychiatry and Psychotherapy, JW Goethe University Hospital, Heinrich Hoffmann Strasse 10, 60528 Frankfurt am Main, Germany
Department of Medical Psychology and Medical Sociology, University of Leipzig, Stephanstr. 11, 04103 Leipzig, Germany


Objective
The objective of this study was to obtain data on the incidence and relationship of psychological factors to tattooing and body piercing from a large and representative sample of German citizens (N=2043).

Methodology
Representative data (sample age range=14-93 years) were evaluated with respect to health-related quality of life (SF-36), mental health (General Health Questionnaire), mental disorders (Patient Health Questionnaire), and sensation seeking (Arnett Inventory of Sensation Seeking).

Results
The prevalence of tattooing and that of body piercing in the general German population are 8.5% and 6.5%, respectively. Individuals aged between 14 and 24 years display the highest rate of body piercings or tattoos (females, 41%; males, 27%). Within the group of individuals aged between 14 and 44 years, unemployment and nonaffiliation to a church are positively correlated, tattooing is significantly correlated with the perception of reduced mental health, and both tattooing and body piercing are correlated with significantly increased sensation-seeking behavior.

Conclusions
Next to being motivated by fashion and the urge to fit in with one's peers, the major reasons for body modification practices in the German population appear to be negatively perceived conditions of life, reduced social integration, and increased sensation-seeking behavior.



Hier noch mal die Schlussfolgerung auf deutsch:

Neben der durch die Mode bzw. durch Vorbilder bestimmten Motivation, scheinen die Hauptgruende fuer Bodymodification in der deutschen Bevoelkerung, negativ wahrgenommene Lebensbedingungen, verringerte Sozialintegration und erhoehtes sensation-seeking <Adrenalinjunkie> Verhalten zu sein.


Ich muss mir den Artikel naechste Woche in Ruhe zu Gemuete fuehren. Waere doch interessant zu wissen, woher sie ihre Versuchskaninchen und welche Fragen sie gestellt hatten.


Bis dahin suche ich mir schon mal einen Psychiater, damit ich kranker Mensch bald wieder gesund werde ...




Nachtrag für alle die von anderen als verrückt bezeichnet werden oder sich selbst für verrückt halten:

verrückt ist ein abstraktes wort, dass eigentlich nur bedeutet, dass man nicht der "norm" entspricht! aber was ist die norm und warum soll jeder der norm entsprechen? jemand, der manche "normale" fähigkeiten nicht oder weniger ausgeprägt hat, hat in der regel verstärkt andere fähigkeiten, die "normale" leute nicht oder weniger haben! man sollte also das "verrücktsein" eher als eine positive sache betrachten, satt sich schlecht zu fühlen, anders zu sein! leute wie vincent van gogh oder john nash wurden von ihren zeitgenossen als verrückt bezeichnet und sind vermutlich auch aus diesem grund in ihrem leben gescheitert. wenn man sein "verrücktsein" als gabe betrachtet, fällt es einem auch leichter, damit umzugehen.

so, genug gelabert ...


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