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Blut spenden mit Tattoo und Piercing ...


Kategorie: BodyMod Blog > Medizin + Gesundheit
18.05.2010 15:14:23 / ... / ... [#lang]
Die Rahmenbedingungen um Blut spenden zu dürfen sind ja nun nicht gerade bekannt dafür besonders rücksichtsvoll oder individuell zu sein – können sie (vermutlich) auch nicht weil es ja immerhin um ein Medizinprodukt geht, besser gesagt um eine Bluttransfusion von Mensch A zu Mensch B. Das ganze ist also eine heikle Sache und so ist man auch nicht zimperlich mit der Ausgrenzung von Risikogruppen. So umfasst die Liste der dauerhaften Ausschlusskriterien für eine Blutspende [DE] verschiedene Krankheiten (HIV, Hepatitis usw.) aber auch Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, männliche und weibliche Prostituierte und Männer, die Sex mit Männern haben [DE] (letzteres ist eher so ein Ding das ich nicht verstehen kann weil mit wem man Sex hat ist ja eigentlich unerheblich – warum sollte ein sich gegenseitig treues Männerpaar ungeeigneter sein als eine Mann/Frau Paarung? Das Risiko wäre doch eher die Anzahl der Sexual-Kontakte!? Aber egal!).
Der eigentlich (für diesen Blog) wichtigere Teil sind die zeitweilige Ausschlusskriterien – hier kommen so Dinge zum Tragen wie Schwangerschaften, kürzlich vergangene Operationen und zu häufiges Blutspenden (Limit pro Jahr Mann = 6 und Frau = 4 mal) aber eben auch Piercing oder Tattoo, die in den letzten 4 Monaten gemacht wurden (früher mal 1 Jahr, in manchen Gebieten 6 Monate oder auch nur bezogen auf Träger von Intimpiercings (?) und so weiter). Die Begründung für das „Piercing- und Tatooverbot“ ist die so genannte diagnostische Lücke [DE] – das ist der Zeitraum zwischen einer Infektion und der (meist 99%igen) Nachweisbarkeit dieser durch einfache Blut-Tests. Bei einer HIV Infektion beträgt dieser Zeitraum z.B. 12 Wochen – in der Zeit hat im Falle einer Ansteckung der Körper genug Antikörper gebildet, die nachgewiesen werden können! Soweit die Lage der Fakten und wie das eben so ist, wenn Statistik auf Realität trifft, kommt es zu „Ungereimtheiten“ - so führt gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern sicher nicht zu HIV und ein Piercing nicht zu Hepatitis oder anderen Krankheiten aber es gibt eine irgendwie hergeleitete Wahrscheinlichkeit durch die dann eine solche „Risikogruppe“ gebildet wird. Der „Irrglaube“ das Aids eine „Schwulenkrankheit“ [DE] ist, hält sich in Deutschland dank des Transfusionsgesetzes hartnäckig und wird pauschal mit der Statistik gestützt; im Klartext bedeutet das alles bleibt wie es ist solange der Prozentsatz an HIV-Infizierten unter Homosexuellen höher ist als in der übrigen Bevölkerung. Wirft man mal einen Blick aus selbst vermeintlich konservative EU Staaten wie Spanien und Portugal, stellt man schnell fest das es eine solche Beschränkung dort nicht (mehr) gibt. Die ganze Sache ist also ohnehin ein Tanz auf dem Vulkan – aber ganz abenteuerlich wird es in Sachen Tattoo/Piercing – hier gibt es nicht einmal eine Statistik, ja nicht einmal eine Erhebung sondern nur die „technische“ Möglichkeit einer Ansteckung. Die wollen wir an dieser Stelle ja auch erstmal nicht bestreiten – die Haut ist nen super Schutz gegen HI Viren und beim Tätowieren und Piercen wird dieser Schutzmantel durchstoßen – bei der Fußpflege, im Nagelstudio und bei der Akupunktur allerdings auch!? Wenn man mal den „statistischen Gedanken“ weiter denkt, muss man sich als nächstes Fragen warum Küchenpersonal Blut spenden darf – statistisch haben die mit mehr (oft kleinen) Schnittwunden zu kämpfen als der Durchschnitt der Bevölkerung oder Hausfrauen? Ach, und überhaupt – HAUSFRAUEN, ja die Hausfrauen leben ohnehin gefährlich [DE] die dürften sowieso nicht spenden! Generell müsste man Frauen ausklammern, die haben prozentual gemessen am Rest der Bevölkerung häufiger Ohrringe, welche bekanntlich zu 99% mit Pistolen in einem Juweliergschäft geschossen werden. Piercing und Tattoo Studios unterliegen dagegen inzwischen strengen Richtlinien und Hygienevorschriften und das schon seit mehreren Jahren (das war sicher früher anders).
Angesichts der stets knappen Blutreserven ist also dringend Handlungsbedarf und die USA machen es vor! Im Bundesstaat Ilinois alleine wurden laut Auskunft der Blutspendecenter täglich 150 Leute wegen Tattoo und Piercings abgelehnt und gut 25% der Bevölkerung dort (und evtl. sogar noch mehr) sind inzwischen tätowiert und/oder gepierct. Nun gibt es dort seit kurzem erst eine Regulierung der Piercing und Tattoo Studios und schon hat man sich auf die neue Situation eingestellt und wer sich dort unter professionellen (regulierten) Bedingungen hat tätowieren oder piercen lassen kann schon am nächsten Tag (theoretisch, tatsächlich sollte man es evtl. doch mal nen Tag Pause machen ;-) …) Blut spenden: Getting A Tattoo No Longer Affects Blood Donation … andere Staaten wollen dem Beispiel folgen!
Zu guter Letzt hätte ich gerne noch eine Statistik bemüht, hab aber leider keine entsprechende gefunden, also nenne ich es mal eine „gefühlte Statistik“ und überlasse die Antwort dem Leser! Was meinst du – nehmen wir mal die Gruppe der sich regelmäßig piercen und tätowierenden Menschen – wäre nicht eine statistische Mehrheit dieser jung (oder im besten Alter ;-) …), gesund (man muss / will ja sein Tattoo oder Piercing gut verpacken), vital und Körperbewusst?

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USER KOMMENTARE:

von : Funenfnach2 ( 09.01.2012 22:31:26 )
ja regelmäßig, nur nach Terminen 4 Monate nicht......

sollte jeder mal drüber nachdenken
von : Blutmond ( 29.07.2010 12:53:37 )
ich gehe auch seit mehreren Jahren zur Blutspende..
direkt nach meinem Tattoo habe ich auch angekreuzt JA und nach der genaueren Nachfrage des Arztes konnte ich damals auch spenden.

was Risikogruppen angeht..es wird nie wirklich eine Regelung gefunden werden für alle "Gruppen" oder Risikofaktoren,aber sicher könnte man so überprüfbare wie hygienische Bedingungen in Studios etc einpflegen in die Transfusionsgesetze..ist nur mehr arbeit..
an sich finde ich die Vorsicht der Spendezentren aber vernünftig,alles kann man eh nie berücksichtigen..leider..
von : Doeni ( 22.05.2010 19:17:06 )
Tach!

Blut spende ich auch mehr oder weniger regelmäßig. Je nachdem, wie lange die letzte Sitzung zurückliegt.

Bislang konnte ich auch bereits einmal für einen Leukämiekranken Stammzellen spenden. Nach einem eintägigen Check in der Uniklinik hat der behandelnde Arzt des Patienten sogar entschieden, dass kürzlich gestochene Tattoos und Piercings kein Problem darstellen. Das ist aber eben von der entscheidung des behandelnden Arztes abhängig.

Wer Interesse an einer guten Sache hat, kann unter www.dkms.de eine Registrierung durchführen. Kostet nix und tut nicht weh, denn auf Nadeln stehen wir doch alle irgendwie ;-)

MfG,
Da Döni
von : groupie ( 21.05.2010 01:03:26 )
ich wollte mal blut spenden, noch bevor ich piercings (ohrlöcher ausgenommen) und tattoo hatte. wurde eingehend geprüft und für zu dünn befunden... was ich definitiv nicht war, aber nicht das verhältnis von gewicht zu körpergröße, sondern nur gewicht, ist ausschlaggebend. finde ich nach wie vor doof. dann sollen sie eben ein bisschen weniger zapfen, aber immerhin besser als nix?!
von : Pimmelz ( 20.05.2010 16:40:25 )
Hm, bei uns sind die Ohrringe nicht ausgenommen.. Mir fehlt bei dem neuen Poll zum Artikel noch, "ich spende, wenn ich nicht frisch tätowiert bin"^^ bzw. "darf"
von : Keggi ( 20.05.2010 15:54:51 )
@ivi: Hammer. Das ist ja mal völlig Banane!

Also ich gehe regelmäßig Spenden. Und nach meinen Piercings habe ich brav angekreuzt JA. Der Arzt meinte nur wie lange es her wäre. Joa, waren bestimmt 6 Wochen. Ob es verheilt wäre oder noch Probleme macht. Ist verheilt. Keine Probleme. ... Sie können Spenden!

Dafür haben sie mich schon mal weggeschickt, weil ich an der Unterlippe noch die "Reste" eines Herpes hatte. Aber da mir meine Ärzte empfohlen haben Blut zuspenden, habe ich dann trotzdem gespendet, musste aber ankreuzen "Spende darf nicht genutzt werden", und sie wird dann vernichtet.

Hier bei den Terminen ist das auch ohne Bezahlung. Nicht so wie in manchen Spende-Zentren in der Stadt. Also zu diesem Model. Ok, klar, eine Idee. Aber a.) wer soll die ganzen Studios begutachten? b.) wer legt da welche Rihtlinien, Grenzen, Maßstäbe fest? 3.) wer will das wie kontrollieren, ob ich wirklich in Studio B war, und nicht in Studio X?

Also ich weiß nicht...... sehe das ein bissel wie die, warum sollten die Leute nicht spenden dürfen, wenn sie ein "vernünftiges Piercing" gestochen bekommen haben, auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt. Obwohl ich den Aufwand nicht wirklich abschätzen kann.
von : ivi21 ( 20.05.2010 13:43:53 )
Interessanter Blog, danke dafür.

in der schweiz sind die leute noch viel lustiger:

Hat man ein Intimpiercing (und ist hier auch noch ehrlich wenn man gefragt wird) ist man GANZ UND GAR gesperrt fürs blutspenden!! (bis das piercing nachweisbar entfernt wurde).
egal ob man das teil scho jahre hat und nie irgendwelche probleme oder ob ich nun mit einem festen partner zusammen bin.
von : Berserkertroll ( 18.05.2010 18:18:57 )
Zum einen toller Artikel und zum anderen klingt das US Projekt, ausnahmsweise mal, vernünftig. Wenn das so klappt und durchführbar ist, warum nicht?! Das aktuelle Reglement des DRK kann ich zwar genauso gut verstehen aber andersherum müssen die Leute da, beim DRK, sich auch fragen wie sie an die heißbegehrten Blutspenden und Spenden "seltener" Blutgruppen kommen können. Viele Leute neigen zum Bodymod, vielleicht auch zu regelmäßigen Bodymod- Sessions und haben evtl. solche Blutgruppen. Auf solche Leute, die bereit sind zu spenden, muss dann verzichtet werden.

Kurzum: Das hat alles sein für und wieder, aber es herrscht Handlungsbedarf. Spenden muss NIEMAND aber JEDER ist froh wenn er BEKOMMT wenn er BENÖTIGT... nur nicht JEDER darf weil er in eine "Schublade", "Kategorie" oder "Risikogruppe" geschoben und eingeordnet wird...
von : wildcat-ink ( 18.05.2010 16:27:25 )
@Pimmelz: Die Frage ist (und bleibt) wann ist ein Risiko relevant und was sind Risiken, die Millionenfach "überlebt" werden ;-)
Genau so ist es (ja eigentlich) nicht relevant ob jemand AIDS HAT - weil das kann man recht leicht testen, sondern ob sich jemand "frisch" mit Aids infiziert hat und da ist ein monogames Schwulen-Paar nicht mehr gefährdet als ein gemischtes Doppel!
Ohrlöcher in Arztpraxn sind (bei einigen Spendencentern) ausgenommen von der Sperrfrist, dabei sind grad in Arztpraxen mehr "Kranke" als in Piercingstudios ;-) und der Bertrieb einer Arztpraxis sagt nicht mehr über die Hygiene aus als ein ordentlich geführtes Piercingstudio! Der US Weg ist daher vernünftig zu sagen wenn es ein ordentliches Studio ist, ist die Gefahr sich etwas weg zu holen gering und somit eine Blutspende kein Problem!
von : Pimmelz ( 18.05.2010 15:50:23 )
Ich bin auch Blutspender und habe meine zu behandelnde Ärztin gefragt, warum das so ist. Übrigens sind Risikogruppen vom Spenden nicht ausgeschlossen (Risikogruppen sind bspw. auch Leute, die mal im Bau saßen), sondern werden einfach genauer überprüft wie andere und, auch wenn ich mich jetzt damit garantiert unbeliebt mache, was nicht meine Absicht ist, gibt es in Deutschland mehr Homosexuelle, die erkrankt sind, als Heterosexuelle, was teilweise auch an jugendlichen Strichern etc pp liegen könnte (ich bin kein Homofeind oder so, nur um das klarzustellen). Ich finde es auch nicht prima, dass ich nicht immer spenden darf, aber immer, wenn man sich dem Risiko aussetzt, bestimmte Krankheiten zu erlangen, müssen die Blutspendezentren aufpassen. Sicherlich können sie nicht allem vorbeugen, aber, dass was sie vorbeugen können, grenzen sie mit Risikogruppen nunmal ein. Und keiner kann wissen, ob das Piercing wirklich steril gestochen wurde bzw. die Tätowierung... und auch nach einem ganz normalen Ohrring darf man vier Monate nicht spenden.

 
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