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Profil von: melanom
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Anarchie…


21.07.2008 01:11:42 / ... / ... [#lang]
…oder wie ich von Utopia träume….

Wenn man so an Anarchisten denkt, kommt einem immer der randalierende Mob auf Demos in den Kopf. Ja, die schreien auch nach Anarchie, leben sie, zumindest das, was sie dafür halten, auch gerne schon aus. Aber ist das der Grundgedanken, der hinter der Sache steht ? Einfach machen, was man will, ohne Rücksicht auf den anderen, der drunter leiden muss ? Das ist Chaos, keine Anarchie.

Für mich ist Anarchie eine fiktive Gesellschaftsform, die rein theoretisch möglich wäre, wenn der Mensch nicht wäre, wie er ist. Anarchie ist eine Form des Zusammenlebens, die keiner Reglementierung durch ein übergestelltes Organ bedarf. Kein „Staat“, keine „Politik“…Nur Menschen, die ihren Freiraum so weit nutzen, wie er den anderen nicht gleichzeitig eingrenzt. Dazu müsste jeder begreifen, dass die Mitmenschen auch ihre Meinung, ihre Bedürfnisse und ihr Eigentum haben und schützen würden, wenn es in Frage gestellt würde. Damit das gar nicht erst passiert, müsste der anarchistische Mensch vorher eher auf sein Bedürfnis verzichten, als zu versuchen, seinen Freiraum über den des anderen Menschen zu stellen.

Davon sind wir noch Jahrtausende entfernt (in beide Richtungen). Wahrscheinlich wird es niemals dazu kommen, weil selbst wenn die Menschen endlich erkennen, dass es möglich ist, ohne gesetzliche Vorgaben, ohne Regeln leben zu können, wird es wahrscheinlich immer noch die geben, die auf Kosten anderer leben, die anderen befehlen und unterdrücken wollen. Die Menschliche Natur ist wohl (noch) nicht geeignet.

Auch die heute schon bestehenden Vorgaben wie Marktwirtschaft, Armut und Überbevölkerung machen es eigentlich total unmöglich, überhaupt an ein solches Paradies zu denken. Schade, ich träum doch so gerne ;-)

Ach, das wäre echt schön. Dem Nachbarn einfach gönnen, was er gerne hat, was er gerne erreichen würde. Dem helfen, der mal Hilfe braucht und sich sicher sein können, dass man es irgendwann mal ebenfalls in Anspruch nehmen kann, weil der andere auch gerne gibt. Keinen haben, der einem sagt/sagen muss, was richtig oder falsch ist, weil man es einfach selber weiß.

Niemals würde ich diesen Zustand wollen, solange Menschen keinen Respekt vor dem anderen haben. Auch der tobende DemoMob ist nicht anarchistisch. Sie scheißen auf andere Menschen. Selbst wenn du Anarchie für toll hältst, kannst du sie niemandem aufzwingen, denn dann greifst du ja wieder in dessen Leben ein, was dem Grundgedanken widerspricht.

Du könntest nur eins tun . Warten…Warten, dass die Menschen aufwachen und sich als Masse entwickeln. Solange die heutzutage einzig mögliche und menschlich vertretbare Gesellschaftsform, die Demokratie unterstützen und hoffen, dass sie sich nicht immer weiter von ihrem Grundgedanken entfernt, der eigentlich auf gemeinschaftlichem Abstimmen beruht. Heute ist die Demokratie immer weiter auf dem Weg zu einer unterschwelligen Diktatur. Du denkst, du könntest frei wählen, aber letztendlich wird dir einfach täglich vorgekaut, was die schmeckten soll. So lebst du, wie sie wollen dass du lebst, aber denkst, dass du den Weg selber eingeschlagen hättest.

Nimm die blaue Pille und alles wird gut für dich und sie sind zufrieden mit dir. Dann hast du aber keine Demokratie….du hängst an ihren Infoschläuchen, saugst zufrieden ihren Scheiß auf und vegetierst vor dich hin.

Schluck die rote Pille und versuche damit leben zu können, dass die anderen mit der blauen zufrieden sind. Wähle in regelmäßigen Abständen das kleiner Übel, träum von Anarchie und Utopia und sei in deinem kleinen dir möglichen Rahmen ein guter Mensch, der anderen Menschen so viel Respekt wie möglich zeigen sollte. Lebe frei von unnötigen Vorgaben. Entscheide, was du kannst, selber, wo sie dich noch lassen.

Sag deine Meinung, wenn es nötig ist, denke leise, wenn du es für richtig hältst. Aber halte nie den Mund, nur weil sie es von dir verlangen.


So, genug geträumt…Morgen muss ich wieder mit den realen Verhältnissen klarkommen, aber schön war die halbe Stunde schwärmen schon ..Danke fürs beim Denken zuhören ;-)


(Mit 15Jahren habe ich ein Referat über Utopia gehalten/halten müssen, eine Vision von Thomas Morus. Seither beschäftigt mich die theoretisch mögliche Gesellschaft, in der es keine Unterdrückung gibt…aber es bleibt halt wie Utopia : unmöglich…schade.)


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USER KOMMENTARE:

von : mainzel ( 22.07.2008 01:32:29 )
endet dass nicht doch wieder in einer hierarchie a la rudelß
von : User nicht mehr registriert ( 21.07.2008 19:52:40 )
nee, kein moderator, der hält sich da vollkommen raus. und das entwickelt sich so aus der gruppe, ohne irgendein zutun. ist echt interessant.
von : Tussi-72 ( 21.07.2008 19:49:39 )
in der gruppe, die ne aufgabe löst, gibts meist nen moderator, der aufpaßt, dass nich vom thema abgekomm wird, stimmt. uns wurde ja auch nix anderes beigebracht, als dem leithammel zu folgen oder ggf. selbst der hammel zu sein. wenn man sich dagegen sträubt, heißt es: nicht teamfähig, läßt sich schwer führen, etc.
von : Tussi-72 ( 21.07.2008 19:43:31 )
och nuja, gestern warn doch wieder paar pazifisten am start vorm reichstag... ;-)
von : User nicht mehr registriert ( 21.07.2008 19:41:07 )
tja, wie du so schön schreibst - utopie

ich glaube nicht, dass es machbar ist frei von regeln miteinander zu leben. solange es keine regeln/grenzen gibt, werden diese ausgetestet, mit allen mitteln (siehe u.a. kinder).

sicherlich kann man darüber nachdenken, was braucht eine gesellschaft minimalst an regeln, damit sich jedes mitglied möglichst frei entfalten kann. wie du aber schon festgestellt hast in den skull-blog: wo hört des einen menschen freiheit auf und wo fängt die des anderen an.

und gruppen organisieren sich tatsächlich immer dahingehend, dass es ein "leitgruppenmitglied" gibt. kann man hervorragend testen, indem man einer willkürlich zusammengewürfelten gruppe eine aufgabe stellt, sich daneben setzt und guckt was passiert.

von : mainzel ( 21.07.2008 19:11:04 )
anarchie kann ja auch wenigsten schonmal im kleinen praktiziert werden...
rauchverbot
cannabis/btmg
hirn anschalten bei wahlversprechen
undundund
gibt viele kleinigkeiten - für jeden was passendes gegen das system zu tun.

geht nicht ohne - sorry:
meine generation ist mehr und mehr frustriert:
vor 25 jahren war noch mehr kritik und aktion
unter den leuten...
da wurde demonstriert - udn auch mal was erreicht
damals gabs ne volkszählung die vor protest fast
zur innerne krise geführt hätte..und ja - infolge war das
ergebnis unbrauchbar :-)
da war am 1.5. noch was los...
heute kannst du den leuten die kohle abziehen, die rechte und freiheiten entziehen wie es dir passt - keiner kriegt den arsch mehr hoch.


von : Tussi-72 ( 21.07.2008 16:32:13 )
die welt ist nichtmal in der lage, grundnahrungsmittel oder sogar trinkwasser gerecht zu verteilen...

anarchie existiert vielleicht real noch bei einigen naturvölkern. und selbst die brauchen nen häuptling, der entscheidungen trifft oder einfach mal schlichtet. *hau* ;-)
von : User nicht mehr registriert ( 21.07.2008 13:17:42 )
wenn ich anarchie höre , denk ich immer an die 13/14jährigen kiddies die aufs gymnasium gehn und nen anarchie-aufnäher auf ihrem Bundeswehrrucksack haben ;)
von : PlasticLittel ( 21.07.2008 08:26:02 )
Bloss a Geschicht heisst das Buch... sorry

hier mal der Kommerz-Link

http://www.amazon.de/Blo%C3%9F-Gschicht-Hans-S%C3%B6llner/dp/3898983358/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1216621470&sr=1-1
von : PlasticLittel ( 21.07.2008 08:19:55 )
Sehr schöner Gedanken! Aber die "natur" des Menschen steht dem tatsächlich im Wege! Es gibt nicht nur Menschen, die führen (oder führen wollen) sondern auch die träge masse, die geführt werden möchte... (die mit der blauen Pille)... ich empfehle Dir wärmstens das Buch von Hans Söllner "Nur a Geschicht" in der er beschreibt, wie (s)ein Dorf den von Dir erträumten Zustand erreicht... ;8)
von : User nicht mehr registriert ( 21.07.2008 08:04:17 )
schade , das der mensch ist wie er ist....und obwohl meist nicht glücklich mit seinem sein , sich nicht ein bisschen ändert , was in der summe viel verändern würde , und den weg nach utopia (oder einfach einer ein bisschen besseren welt) vereinfachen würde...

danke beim denken zuhören zu dürfen!
von : Miez ( 21.07.2008 06:14:29 )
Danke für den morgendlichen Denkanstoß. Wie immer schön zu lesen. :)
von : Brinastar ( 21.07.2008 01:52:37 )
schön zu lesen, wie immer - und wenn doch jetzt nur noch jemand den großen rewind-knopf finden würde...
von : Turquenione ( 21.07.2008 01:25:33 )
ich mag den satz "Für mich ist Anarchie eine fiktive Gesellschaftsform, die rein theoretisch möglich wäre, wenn der Mensch nicht wäre, wie er ist. "
ansonsten schöner text wie üblich, regt zum nachdenken an :)
von : Kahless ( 21.07.2008 01:21:44 )
Die Idee ist ja schön...
von : maddox ( 21.07.2008 01:19:37 )
schön wärs ... könnte evtl. im ganz kleinen mit ausgesuchten leuten klappen, aber nicht mit einer ganzen, total maroden Gesellschaft.

 
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