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Tattoo-Index
30.09.2010 03:18:11 /
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I don't wanna be here in your london dungeon
I don't wanna be here in your british hell
Haha…wers erkennt, darfs behalten und sich wissend fühlen.
Das Jahr ist wieder rum, was heißt das im September ? Richtig ! In den Flieger steigen….Oh, ne…DAS, *flüstert* das meinte ich nicht. Ich meinte die Tattoo-Convention in London. Wobei, wenn ich die ernsten Gesichter der Flughafen-Fiffis sehe, die am Strip-Laufband heimlich an Gürteln schnüffeln und jedes Mal hoffen, dass der vermutete Intimschmuck doch mal piepst, steigen anscheinend doch ständig potenzielle Bombenleger in Flieger. So behandeln die einen mit Laseraugen und „Fallbeil-Rhetorik“
(eigentlich schon mal wem aufgefallen, dass es nie, never Meldungen gibt darüber, dass jemand wieder mal mit Sprengstoff an Bord wollte, sondern nur Meldungen über vereitelte Pläne ? ....ein Schelm, wer böses daraus schlussfolgert...)
…Kann aber auch daran gelegen haben, dass es Freitag Morgen um ca. 6 Uhr (quasi nachts…) war, als ich dem freundlich gesäuseltem (das freundliche Göbbels-Säuseln, wer kennt es nicht…) „Gürrtel ab!“ frecherweise ein „Bitte“ angehängt habe, um mir selber das Gefühl von Respekt, Geborgenheit und Kundenbindung zu vermitteln. Auch bei „Die Flüssigkeiten in den Beutel!!“ konnte ich mit meiner „Bitte“-Ergänzung fast so was wie eine menschlich akzeptable Anrede-Atmosphäre schaffen. Aber irgendwie hats nicht recht „Klick“ macht, auch wenn ich meine Korrektur mit einem fröhlichen Lächeln untermalt habe. Ich konnte mich aber mental ducken und so traf Laseraugen-Jonny mit seinem bösen Blick nur den Reisenden hinter mir. Der musste dann allerdings mit seinem Augenlicht dafür bezahlen. Shit happens, der sah eh aus, wie ein Bombenleger, ich hab mich informiert !
Ab nach London ! Einmal im Jahr ruft es mich nach London. Seit ich das erste Mal dort war, mag ich diesen Trip ins Land des schlechten Frühstücks, der hübschen rothaarigen Frauen und des bösen Humors. Wobei mich, der ich erst dreimal in London und einmal an der Südküste war, mehr die Stadt London und die Convention reizt. I´m in Love with da Tube ! Meine Fresse, ich bin so fasziniert von diesem System hunderttausende Menschen täglich durch die Stadt zu befördern, dass ich diesmal sogar einfach mal so von A nach B gefahren bin. Gibt’s nen U-Bahn-Fetisch und wenn ja, wo ist die Selbsthilfegruppe für Opfer der Kombination aus Straßenbahn-Anfass-Phobiker und U-Bahn-Fetisch ? Die müsste ich dann wohl aufsuchen, denn ich steh auf die Tube, aber ich fasse sie nicht an… nirgends …Moment, das Verhältnis haben Reeperbahn-Besucher zu ihren Stripperinnen auch..puuuuh.
Der Plan war übrigens dieses Jahr, dass ich mich am Flughafen Stansted mit einer Kollegin aus Magdeburg treffen würde, um gemeinsam Sightseeing und Convention-Besuch zu absolvieren. Drei Stunden Warten am Flughafen können einem, grade wenn man morgens um Vier aufgestanden ist, wie Tage vorkommen. Tage sach ich euch Tage. Lange Tage, die man die 21312 Kilo schweren Augenlieder durch die von verschwommenen Fremden bevölkerte Ankunftshalle schleppt wie ein Kamel die ausgedörten Höcker durch die Wüste ohne Wiederkehr. Ok, ich dramatisiere, aber das sehr gekonnt, wie ich meine…
Aber wieder zum Thema :
Die Convention ist immer recht ähnlich, aber irgendwie immer bisschen anders. Was mir dieses Jahr noch mehr aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass immer mehr Tätowierer Bilder verkaufen und auch sonst mehr Künstler Kunst und Bilder anbieten. Gefällt mir, habe mir auch direkt was zum Einschleimen bei meiner Ollen gekauft :
Auch bieten immer mehr Tätowierer Maschinen an. Da habe ich echt interessante Sachen gesehen. Von Käpten Zukunft, bis nostalgisches Understatement.
Aber es gab außer Rotaries auch richtige Tätowiermaschinen..loool. Na, als Verneiner der Drehbewegung, des Luftdruckhammers und der KosmetikerMaschine, sondern eher Liebhaber der Türklingel, muss ich das sagen, auch wenn ich jedem seine richtige Wahl zugestehe. Hier z.B. hat Herr Butcher ein wunderschönes Dali-Portrait mit der Phaser-Waffe aus dem oberen Bild gezaubert.
Aber es ist bisschen wie bei der guten alten Schallplatte. Man kann sicherlich mit vielen nach ihr eingeführten Medien Vorteile sehen und auch sicher dann gut nutzen, aber irgendwie bleiben immer wieder Menschen am altmodischen System, dessen Seele und Tiefe hängen.
Weg von der Technik, wieder zur Convention : Die Räumlichkeiten sind fast zu atmosphärisch, als dass man sie ausreichend beschreiben könnte. Habe ich aber die letzten beiden Jahre eh ausreichend versucht : Blog 1 / Blog 2. Aber es muss noch mal erwähnt werden, dass die einzelnen Parzellen innerhalb des Tobacco-Docks ein völlig anderes Durchgehverhalten bei den Besuchern fördert. Kein Pulk, der sich durch die Gänge schiebt, sondern Schlendern mit Abbiegen in die Räume, wo man die Tätowierer näher beobachten kann, die man gezielt sehen möchte. Mir gefällt das sehr, denn es lässt einem mehr Zeit für die einzelnen Stände bzw. Parzellen.
Hier die ersten, die ich beim Arbeiten beobachten konnte :
Boris, Preston Chambers, Genko die geile Tante von Morganic Heart
Ich könnte nur viele namhafte Tätowierer aufzählen, aber das ist mir zu mühsam. Mal auf die Uhr geguckt ? Um zwei Uhr nachts is nich mit Aufzählen du Otto…
Mir taten dann auch schnell meine alten Füße weh und ich wollte ins Hotel. Das übrigens im Stadtteil Stratford gelegen war. Erstaunlich, wie viele Manic Street Preacher es in London gibt. Am Bahnhof Stratford wechselten sich verrückte Afroamerikaner mit durchgeknallten Slaven ab. Mal schreien die einen, dann singen wieder die anderen. Wurde nur getoppt durch die Streetpreacher in Camden…
Apropos Camden. Nach einem unglaublich enttäuschenden Frühstück, was aus pampigem Rührei und Fettwurst bestand, gings am nächsten Tag nach Camden. Das viel bei uns unter „Sightseeing“..Meine Fresse, ich weiß nicht, wie viele Leute dort mit Werbeschildern für Tattoostudios rumlaufen, es sind aber sicherlich, wenn mans grob überschlägt…ungefähr…NE MENGE !
Danach, nachdem wir uns durch Unmengen von Menschen gedrückt hatte, sind wir noch bisschen eingekehrt. Im Lock17, eine echt nette Kneipe am oberen Teil der Camdener Einkaufsfalle. Gelegen in einer Art Kreativ-Marktplatz, wo viele Künstler ihre Bilder/Fotos und so weiter anbieten. Sehr nett dort. Also in der Kneipe und in diesem Marktgewusel.
Von Links nach Rechts : Ich / der Grund, warum ich so grinse / einer der ausstellenden Künstler dort…Jarek Klocinski www.camdenshop.co.uk
Das Stöbern in dieser MarktEcke wurde verlängert, weil ich mir bei einem Specksteinschnitzer noch ein Amulett hab anfertigen lassen. Das war dann aber nicht so schnell fertig, wie ich mir das gewünscht hätte. Aber da ich ja son Bock auf Tubefahren habe, hab ich erstmal die professionelle Weintrinkerin aus Magdeburg und meine Einkäufe ins Hotel gebracht, meinen Mp3-Player frohen Mutes wie Hänschen Klein angelegt und mich wieder auf die Reise nach Camden gemacht...Tja, und da hatte ich mal richtig Pech, habe auf dem Hinweg mehr als 30Minuten in einer Tube festgesteckt, auf dem Rückweg dann auf Grund der Störung entstandene Überfüllungen am eigenen Leibe erfahren können. Wenn keiner mehr in die Bahn passt, gehen mindestens noch 20 rein ! Das man Moleküle so komprimieren könnte, hätte ich niemals gedacht. Drei Stunden später war ich wieder im Hotel. Aber der Schmuck ist geil geworden, ein bisschen Handarbeit, die einem viel bedeutet ;-)
Am Abend taten mir Sushi und Sake gut. Ich glaube der hat mich redselig gemacht…aus dem Mund meiner Begleitung hörte sich das in etwa so an : “Du warst gestern besoffen….“ ..Danke, war auch für mich ein netter Abend..loooool
Der nächste Tag war wieder Convention angesagt, diesmal bisschen Supplier stöbern, Tätowierern beim Arbeiten zuschauen und die Conventionstimmung genießen. Habe ich eigentlich schon ausreichend erwähnt, dass ich rothaarige Engländerinnen mag ? looool.
Habe mich gefreut, den Tätowierer aus Mexico wieder zu sehen, der auch schon auf dem Bmxnet-Seminar in Berlin war. Namen weiß ich nicht, aber die Lobes habe ich wiedererkannt…auch wieder anwesend war der Jose von Lowridertattoo (http://www.lowridertattoostudios.com/) , der letztes Jahr mit der Maria das best of Show gewonnen hatte.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir zu dem Zeitpunkt meine Füße schon vorkamen, wie der Hintern von Freddy Mercury am Montag-Morgen…wund und taub zugleich und irgendwie recht unentspannt. Das machte mir das Verweilen auf der Convention langsam bisschen unsympathisch und ich war recht froh, dass meine freundliche Reisebegleitung von Honeckers Escort-Service ebenfalls schwächelte, so dass wir noch mal einen Ess-Abstecher nach Chinatown machten, um ein Restaurant zu suchen, was Thai-Essen UND Sushi anbietet. „Das gibt es nicht…!“ habe ich noch getöhnt…aber wie viel zu oft auf unserem Kultururlaub musst ich ihr dann leider Recht geben, denn wir haben genau so ein Lokal gefunden, was zudem auch noch echt toll war. Müssen Frauen nicht schweigen, wenn sie merken, dass ER nicht Recht hat, sondern sie ? Gibt’s nicht irgendeine religiöse Richtung, die da eindeutig Stellung bezieht ? Ich täte da gerne konvertieren, denn dieses dauernde Unrechthaben ging mir an die Substanz, das bin ich nicht gewohnt..loool
Aber dann wieder Hotel, zum Einschlafen wieder die Mischung aus englischem Tv und leichtem Gestöhne aus dem Nachbarzimmer..Herrlich. Eigentlich hätte ich in meinem schönen Doppelzimmer die Möglichkeit gehabt, mir das Bett auszusuchen, welches näher am Fernsehgerät stand, aber dieses war zwar drehbar, aber drehte sich immer wieder in Richtung anderes Bett. So musste ich aus gefühlten 7 Metern auf ein viel zu kleinen Fernseher schauen..nun weiß ich, wie der Bu sich bei unseren nur 42Zoll bei uns Zuhause fühlt..FERNseher sach ich da nur…loool
Der nächste Tag war Freddies Arsch immer noch nicht abgeschwollen und so war ich froh, dass wir recht spät auf die Convention fahren wollten. Aber ich Depp dachte mir, dass das die Gelegenheit wäre, mit dem London-Eye ne Runde zu drehen. Von dem Vorschlag war meine Begleitung eh nicht so begeistert, was ich an dem trockenen „ja, können wir ja auch machen, wenn du unbedingt willst…“ zwischen den Zeile rauslesen konnte. Ja, dann bin ich halt „mal eben“ zum London-Eye getubed…dort angekommen, ist mir wieder eingefallen, welcher Wochentag ist : TouristenKackePisseArschlochSchweinSonntag ! Also habe ich mich in die Schlange gestellt, die länger war als die Schlange vor dem ersten Mäckes in Russland. Und nach 20Minuten warten bin ich am ersten Ordner angekommen, der mit dann freundlich grinsend gesagt hat, dass ich meine Karte im Haus gegenüber hätte kaufen müssen.
Am Arsch die Waldfee mein London-Eye…und dafür steh ich auf. DrecksAussichtsRiesenrad, kann mich mal am Arsch lecken…ab ins Hotel, es wurde wieder im Nachbarzimmer gestöhnt. Aber ich hatte ja Ohrstöpsel, weil ich schlau bin, gekauft..
Man weiß, dass man alt ist, wenn man Mittagsschläfchen hält…mit Ohrstöpsel ! lool
Der Rest des Tages war wieder Blasen unter den Füssen erweitern auf der Con angesagt. Ich konnte Tätowierer nicht mehr sehen. Was wollen die da alle ? Mein Gott, und dieses dauernde Gesumme der Maschinen…ging mir derbe auf den Sack…also bisschen mehr in den Katakomben die Ausstellungen angeguckt.
Am nächsten Tag ging es noch bisschen Bummeln im Canary Wharf-Center, dann wieder nach Stansted, wo unsere Flieger nach Köln und Berlin wieder ca. 3 Stunden versetzt gingen…aber ich war froh, nicht mehr meine roten wunden Stumpen zum Laufen benutzen zu müssen, sondern stumpf im Terminal Sozialstudien beobachten zu können. Menschen gibt’s, die gibt’s gar nicht, aber das wäre schon wieder ein eigenen Blog wert.
Gegen halb Zwölf am Montag Abend war ich wieder im schönen Köln. Spaß hats gemacht, aber nächstes Jahr reicht mir ein Tag Convention und vielleicht noch zwei London-Sightseeing, oder ich muss vorher Wanderschuhe kaufen und laufen üben…
Aber wer wird denn jammern ?? na…..ICH ! loooool
So, das war mein London für dieses Jahr, vielleicht sehen wir uns ja dort im nächsten Jahr !
Convention-Galerie London 2010 hier !
23.09.2010 03:07:17 /
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Ein kleiner Reisebericht.
Fuck, wo sind meine Socken eigentlich alle hin ? Ich hab doch nicht nur 5 Paar geeignete (schwarz UND heile) Sockenpaare, oder ? Ah, unter dem Regal haben sich ganze Familien von denen versteckt. Ob die Zug-Angst haben ? Wie auch immer, eingepackt...noch mal gucken, was ich nun alles eingepackt habe.
Laptop – Check
Manuskript für Seminarstunde – Check
Ausreichend Kleidung – Check
Riesenerektion – Check
Allerlei Kabel und Ladegeräte – Check
Extra nicht genug Geld eingepackt, damit ich es auch nicht ausgeben kann - Check
Cam/Mp3-Player – Check
100 selbstgedruckte Handouts – Check
Fahrkarte Köln-Berlin und zurück –Check
Das Gefühl, alles eingepackt zu haben – Fuck….
Wenn WIR irgendwo hinfahren, hat meine Freundin (ihr wisst schon..die „Olle“) immer das Gefühl, dass sie was vergessen hat. Dieses Mal, wo ich ohne sie fahre und sie nicht beim Packen dabei ist, habe ich diese Eigenschaft erfolgreich adaptiert. Damn…egal, ich muss los, der Zug geht 14.56Uhr vom Gleis. Ab zum Bahnhof..bekomme wiederholt das Gefühl, mich mit meinem Seminar übernommen zu haben. Das Thema ist „Kreuzkontamination“ (und paar andere Themen, die ich im Studiobetrieb für wichtig halte…) und ich habe einen vollständig ausgeschriebenen Text von 23 Seiten. Dass ich den so gar nicht brauche, sollte ich noch später bemerken. Komme mir vor wie Sarrazin vor seiner ersten Buchlesung..hoffentlich stammel ich nicht auch so eine Grütze wie der Spast. Naja, rein in den Zug. Erster Klasse reisen, erstmal nen Schlips von „meinem“ Platz verscheuchen. Dreckspack im Zwirn, soll mal lieber was seriöses lernen, als mit seinem 2000Euro-Laptop von seinem kleinen Pimmel abzulenken. (oh, Word kennt das Wort „Pimmel“…Bill Gates, das kleine Schweinchen…).
Nach wenigen Stationen, ich glaube schon kurz hinter der Kackbier-Stadt (Anmerkung der Red. ---> Düsseldorf) stellt sich raus, dass 2 Wagons fehlen und es derbe eng wird. Hail Reservierung ! Und es wird warm. Ich ziehe mir die Jacke aus und enttarne mich als sozialer Störfaktor. „Guck nicht so blöd, bin halt tätowiert..aber deine Frau würde sicher gerne mit mir ficken!“..sag ich natürlich nicht, aber denke es. Dafür aber richtig laut..lol.
Ne, was sitzen die alle unbequem auf ihrem Stock im Arsch. Nur schräg gegenüber findet mich jemand nett, aber für nen Homoflirt bin ich nicht betrunken genug. Also lese ich mehrfach meinen Text. Mein Gott bin ich gut. Ich könnte auch meinen Laptop rausholen, aber zum einen habe ich keine Lust auf den technischen Pimmelvergleich der Juppies, zum anderen will ich die nicht damit schocken, dass ich meinen Schleppi mit Stickern unkenntlich gemacht habe.
Irgendwann kommt diese Stadt, die für mich so uninteressant ist wie Tripper im Dunkeln : Hannover. Hang-overs kenn ich, mag ich aber auch nicht. Find ich beides zum Kotzen. Zum Glück muss ich hier nicht leben. Langsam, ein glückliches Dösen später, erreichen wir schon die neue Reichshauptstadt Berlin. Ich mag Berliner, vor allem die mit Eierlikör drin. Und sie reden so lustig, „Ikke“, „Ditte“ und „Schrippe“..herrlich. Kann gar nicht verstehen, warum hier in der Nähe Menschen wohnen, deren Sprache wie ein Verhütungsmittel wirkt. „Mussisch mo iwwerlehchn“…“HALT DIE FRESSE!“.
Man, so viele Worte und noch nicht mal im Hotel angekommen. Faster !
Beim Warten auf den Holliday-Inn-Shuttle-Bus lerne ich Brian Skellie kennen. (ausgesprochen eloquenter und netter Mensch!) Wie ich das gerne mache, wenn ich lange nicht Englisch gesprochen habe, stammel ich erstmal son bisschen Patwa-English mit totalen Ausfällen. Als er fragt, was ich mache, sage ich „i translate Dan Dringeberg“…was sicherlich genau so viel versprechend gewirkt hat, wie wenn der Wolle Schäulbe vor dem Mount Everest sagt „ich roll mal eben da ruff“…
Aber egal, das wird, das wird. Im Hotel angekommen, weißt man mir mein Zimmer zu. Erst hatte es den Anschein, dass ich alleine auf dem Zimmer sein würde. Aber dann wurde mir doch noch ein Kajütten-Genosse zugewiesen. Eben der, den ich auch übersetzen sollte. Dan Dringenberg, seines Zeichens Tattoo-Maschinen-Guru aus L.A. Diese Begebenheit sollte noch sehr lustig werden. Erst war es bisschen komisch, nen Fremden auf dem Zimmer zu haben, bisschen wie Jugendherberge oder Hinterzimmer im Puff, aber das änderte sich recht schnell, als ich begriff, wen die mir das zugeteilt hatten : Einen total wahnsinnigen, trinkfreudigen, hyperaktiven Ami, der nahtlos von einer Geschichte in die nächste glitt. Mein Englisch wurde umgestellt auf Slang *klick*.
Ich überspringe die nächsten Stunden, die in erster Linie aus Gesprächen bestand, die ich aus rechtlichen und ethischen Gründen hier nicht wiedergeben kann. Wusstet ihr eigentlich, dass…äh…ne, kann ich nicht erzählen..looool
Frühstück. Ich liebe Hotelfrühstück. Scheiß auf die Diät, die ich eigentlich grade mache. Wenn man schon bezahlt, dann frisst man auch ! (ich hab ja nicht mal bezahlt, BMXnet hats gemacht !) Beim Frühstück oder in der Lobby sah man dann recht bekannte Gesichter : Allan Falkner, Steve Haworth, Elayne Angel (deren Flügel als Tattoo auf dem Rücken weltberühmt sind), Havve Fjell, Bertha Szumski, Ron Garza und so weiter. Und auch die Needlewitch/Andrea, nicht zu vergessen.(Alle Dozenten Hier) „Abgefahren“ dachte ich noch. Da wurde mir das erste Mal bewusst, wie groß der Schuh war, den ich mir mit meinem Angebot auch eine Klasse zu halten, angezogen hatte. Meine Eier wurden langsam kleiner und wanderten Richtung Körper.
Ich schaue mir das Hotel mal an. Riesig ist es, und noch nagelneu. „It´s scary clean, we can mess it up!“ sagte mir Brian noch im Shuttle-Buss. Die Stände für die Expo sind noch nicht aufgebaut, ich guck mir mal die Säale an. Hui, teilweise riesig. Naja, ich denk mir, dass ich sicherlich in einem der kleinen Räume sprechen werden. Am Arsch Alter ! Der Stefan teilt mir mit, dass ich im großen Saal auftrete, mit Simultandolmetscher und Videoaufzeichnung. Hodenhochstand ! Was aber auch egal ist, denn meine Klöten schrumpfen auf Stecknadelgröße, da ist es egal wo sie sich befinden. „Ich muss weg!“..plane schon meine Flucht über die Grenze (nein, nicht nach Sachsen…dann lieber tot…).
Die ersten Teilnehmer des ersten Tages treffen ein. Der Donnerstag ist reiner Workshoptag. Die Workshops mit den Profis werden extra bezahlt. Der Rest des Seminars geht über die Teilnehmergebühr. Bei Dan Dringenberg gabs ein Workshop zum Thema Maschinenbau und Tuning. Ansonsten wurden noch Suspension-, Genitalbeading-, Scarificatio-, und andere Workshops angeboten. Zum Glück sprachen im ersten Kurs noch alle Anwesenden Englisch, so konnte ich nur zuhören. Die Kurse von Dan waren eine Mischung aus Technik und nennen wir es mal „interessanten Geschichten aus der Tattooszene unter besonderer Berücksichtigung von Sex, Drogen und Alkohol“..lol.
Aber ich glaube, die Teilnehmer haben viel dort gelernt, mich eingeschlossen. Kam mir nach drei Classes bei ihm vor, als hätte ich all die Jahr mit nem Klapprad an der Tour de France teilgenommen. Danke von hier an ihn fürs Augen öffnen.
Es gab ansonsten noch Kurse von James Kern, der ein tolles CoverUp dort gemacht hat, wissenswerte Seminare von Michel Dirks über Farben und Rechssicherheit im Tattoobereich und etliche andere Kurse. Die Liste der Classes gibt’s HIER.
Leider konnte das Hotel anscheinend nicht all das erfüllen, was es im Vorfeld zugesagt hatte und so ging es für die Orga am Donnerstag hauptsächlich um das Begradigen von Problemen. Letztendlich kostete das einen ganzen Tag an Zeit und viel viel Chaos. Die ganze Conference haben übrigens der Stefan (ink), die Sanny , der Chris von Native Rituals und seine Frau, wie war noch ihr Name, ach ja Steffi (Insider..lol) , organisiert. Danke, ne fettes Danke dafür !
Diese Conference ist übrigens eine branchenübergreifende Fortbildungsmöglichkeit für Tätowierer, Piercer und andere Modder, auf der eben solche ihr Wissen mit andern Teile und auch branchenfremde, wie Ärzte und so weiter, zu Wort kommen. Eine tolle Sache !
Am Freitag, nach einer fast völlig durchgequatschten Nacht, ging es mit dem ersten Seminar-Tag los und das Hotel füllte sich langsam. Freakshow für die anderen Hotelgäste. Mein schönstes Erlebnis war, als ich mit Chris, seinem bösen Kampfhund an der Tür stand. Erst starrten sie nur uns an, aber als dann noch jemand, ich habe ihren Namen vergessen, sie kam aus den Niederlanden, mit einem Schäferhund mit Rollstuhl (hat HD) vorbei kam, konnte man die Augen mit der bloßen Hand abschlagen. Den ungläubigen Blick werde ich nicht vergessen. Mit uns im Hotel waren noch ne große Gruppe von Notaren, etliche vier Sterne Gäste und die Mannschaft von Herta BSC- Berlin. Mein Gottchen, die konnten es am wenigsten glauben. Tja, wenn man nur ne Erbse zur Verfügung hat, kann man halt nicht ausreichend Speicherplatz einrichten. Nur den Mund beim nächsten Mal nicht so beim Starren aufstehen lassen, sonst wird die Erbse kalt ;-)
Glaube diese Weiterbildung hatte diesmal um die 250 Teilnehmer aus allen Bereichen der Bodymod-Szene. Diesmal waren es anteilig mehr Tätowierer, als noch die beiden vorangegangenen Jahre. Löblich ! Ich hatte mittlerweile erkannt, dass es bei meinem Text noch Verbesserungen gibt, also habe ich den Donnerstag und Freitag genutzt, um ihn umzuschreiben. Spätestens als die (bezaubernden) Dolmetscherinnen mir mitteilten, dass der Text so nur ganz schwer ins Englische zu übersetzen sei, auch weil die Witze vielleicht nicht so gut rüber kämen..(ich hätte meine Fäkalkeim vielleicht nicht „Adolf“ nennen sollen..loool), war mir klar, dass noch Arbeit ansteht, damit ich meine Eier wieder sehen kann. Denn ich wollte gut sein, richtig gut. Ich meine, ich schreibe hier ja echt gerne und habe auch gute Resonanz von Kollegen auf die Artikel, aber wenn du dich auf einer „Fortbildung“ vor andere Tätowierer stellst, dann musst du schon abliefern. Also habe ich auf meinem formschönen Manuskript handschriftlich zugearbeitet. Wenn das mal die Nachwelt wieder finden sollte, geht da ohne Kryptologen nichts..das muss erstmal jemand lesen können, Ein Erich von Däniken würde aus den Buchstaben sicher den Beweis einer extraterristischen Lebensform rauslesen. Apropos extraterristisch, ich konnte mich mittlerweile fließend mit Dan unterhalten, die nächtlichen Einführungen in die Tattoowelt von L.A. wirken Wunder..wusstet ihr eigentlich, dass Cat v. D..ach ne, das kann ich ja wieder nicht erzählen..loooool
Donnerstag und Freitag laufen vor sich hin, es kommt der Doomsday für das zarte Melanom (Wer hat hier gelacht, ich habs genau gehört ihr Vögel …) . Das Melanom hatte am Freitag übrigens Geburtstag, hat das aber gekommt geheimgehalten. Nur Dan entpuppte sich als IM und so stimmte der Maschinenkurs ein Happy Birthday an, als ich nach einer Pinkelpause wieder in die Klasse kam.
Samstag, 14 Uhr..vorher noch mal kurz mit der Dolmetscherin meines Vertrauens die wichtigsten Punkte durchgegangen. Das hat mir sehr geholfen, selber bisschen Struktur zu bekommen. Die Blätter waren ja kaum mehr lesbar. Es sollte sich hinterher rausstellen, dass mir eine grobe Auflistung der Themen mehr geholfen hätte. Aber ich hatte den ganzen Text ausgeschrieben, damit ich ein Zeitgefühl dafür bekomme, wie lang mein Martyrium dauern sollte. Um den Vortag unter erschwerten Bedingungen zu üben, habe ich ihn mir übrigens Zuhause auf dem Heimtrainer selber vorgelesenen. Ich verdammter Fuchs !
Als sich der Saal langsam füllt, ich glaube es waren in meinem Raum 45-50 Tätowierer, wie viele im Nachbarraum an englischsprachigen Leuten gesessen haben, weiß ich nicht, werde ich mal so richtig nervös. Wie werden sie es finden ? Werfen sie mit Gemüse, oder kommen sie mit lästigen Zwischenrufen ? Ich teile direkt mal mit, dass jeder, der mich kritisiert, sofort rausfliegt. Dreckiges Tätowiererpack, sollen nicht denken, dass sie sich alles erlauben können..lol
Nach ein paar Minuten winken die Dolmetscherinnen mir zu. Erst denke ich „Na meine Damen, brauchen nicht winken, so gut kennen wir uns nun auch nicht…“, aber sie wollten mir mitteilen, dass ich zu schnell bin. Gut so, denn ich bremse mich und werde immer ruhiger. Mein Vortrag läuft, es kommen paar Fragen zwischendurch, die von der bezaubernden Brit, äh..Liz mit dem Mikro abgefangen werden. Dadurch, dass ich Polemik raus genommen habe um es mit mehr Tipps zu ersetzen, dachten wir eigentlich, dass ich nicht fertig werde. Eine Stunde war angesetzt, aber ich hab den Gottschalk gemacht und fett überzogen. Dabei war es von der Bühne aus sehr schwer abzusehen, ob der Inhalt gefallen hat. Also ich fertig war, gabs Applaus !! Meine Hoden kamen langsam wieder nach Unten und der Druck war weg. Noch bisschen Nachbesprechung mit den Teilnehmern und ich war durch. „Ha!“ dachte ich, was biste ne geile Sau. Ich würd mich ficken ! looool
Da ich dachte, ich müsste am nächsten Tag noch mal ran, habe ich im Kopf schon mal weiter den Vortrag gesponnen. Aber da ich jetzt wusste, dass ich das gut gemacht hatte, war kein Druck mehr vorhanden. Aber ich hatte frei am Sonntag, musste nicht mal mehr den Dringenberg übersetze, was mein Verhalten an der Bar abends positiv beeinflusst hat !
Am Abend gabs dann, wie am Freitag auch schon, ein paar Shows. Unter anderem waren an beiden Tagen mehrer Künstler beteiligt. Von der singenden Opernsängerin an Haken, Operafication, über den Havve (Pain Solution) bis hin zu Coco Kasutra (flapflapflap) und Lucky Hell, waren echt tolle Acts am Stizzo. Erwähnenswert ist hier noch „Freakatronic“, die Band von Inks Bruder. Abgefahren trifft es wohl am ehesten. Toll !
Alle Shows Hier // Rolfs Bilder zu den Shows Hier// und Hier
Aber mein verdammtes Highlight war der Auftritt von Lassi. Im vorigen Jahr noch Opfer eines PA-Rausrisses (man kann auch nicht Unmengen von Gewicht dran hängen..lol), meinte er, dass er es dieses Mal toppen müsse. Und er hat es getoppt, ich schwöre !
Er hat sich sein Gemächt mit Seilen abgebunden und sich dann mit einem Flaschenzug nur daran aufgehängt nach Oben gezogen. Damn, was war dir Wurst rot und knackig..loooool. Man hat innerlich nur auf das „plöpplöp“ eingestellt und machte sich schon auf Eiersuchen gefasst, aber es hat tatsächlich geklappt. Ich kann hier leider ja nicht auf den Modblog mit Adresse verweisen, aber ihr wisst ja, wo ich suchen müsst. Dort sind Bilder…
In der Zwischenzeit hatte ich an der Bar nen neuen Whisky für mich entdeckt, den Lagavulin. Wir sind nun Freunde ! Der hat mich auch schön schlafen lassen. So tief und fest, dass ich erstmal paar Minuten gebraucht habe um zu checken, was die zwei Aliens in meinem Zimmer wollten, als mich Dan und Liz um Fünf Uhr in der Frühe wecken kamen, damit sich Dan verabschieden konnte. Herzlich, anders kann ich es nicht beschreiben.
Letztenendes kam er aber vom Flughafen wieder zurück, weil der Flug überbucht war. Also noch ein Tag Slang-Deluxe ;-)
So, ich muss zum Ende kommen, der Zeiger zeigt mir halb drei in der Nacht und ich muss morgen früh mit dem Fahrrad Strom einzahlen fahren, da müssen die Glubscher wieder offen sein. Safety first ! Und Freitag geht’s schon morgens um Sieben nach London.
Resume : Es war ein tolles Wochenende, ich habe viele Eindrücke mitgenommen, die es noch zu verarbeiten gilt. Ich habe mit Dan jemanden kennengerlernt, der mich schwer beeindruckt hat, mit dem ich hoffentlich noch mehr zusammen arbeiten kann. Es ist übrigens erwähnenswert, dass jemand wie Dan Dringenberg, der eigentlich nichts mit der Bodymod-Szene zu tun hat, sich dazu durchgerungen hat, dorthin zu kommen. Und es ist dem ganzen Event, insbesondere Sanny, Steffi, Chris und Stefan, zu verdanken, dass er sich total dafür begeistern konnte. Wie viele andere Teilnehmer auch. Die Conference hat wohl eine Menge Arbeit im Vorfeld gekostet und es bedarf noch einiger Nacharbeit, damit das Ganze kein finanzieller Verlust wird. Mich hat es voll gepackt und im nächsten Jahr bin ich gerne wieder dabei. Auch gerne im Vorfeld, damit die Arbeit nicht wieder an so wenigen hängen bleibt.
Danke noch mal von mir an die Vier und ich bin sicher, dass ich für viele andere spreche ! Auch an die vielen anderen Helfer dort. Danke an Marko und Jana für nen netten Trinkabend und Liz fürs Mithelfen im dritten Workshop.
Auch sonst habe ich echt nette Kollegen kennen gelernt ! Fühlt euch mal gegrüßt !
Die Rückfahrt war total entspannt, der Zug komplett leer. Also konnte ich noch mal „Man from Earth“ gucken, ein Film, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Vom HBF in Regenbogenhausen fuhren leider keine Bahnen mehr nach Nippes, also musste ich noch nach Hause laufen. Aber beseelt von dem WE ging das recht locker und ich habe es buddhistisch ertragen ;-)
Wir sehen uns im nächsten Jahr !
(ich weiß, ich hab nur einen kleinen Teil der Conference abdecken können, aber wenn jemand mehr über die Piercing-Kurs weiß, kann sie/er es selber schreiben ;-P)
11.09.2010 09:18:19 /
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But a very tasty one !
gefunden irgendwo, von nem User mit irgendwie 666 im Usernamen...
Die kleine Edith sagt :
Also ums klarzustellen : Ich will niemanden, der sich vegetarisch oder vegan ernährt, damit provozieren !
Ich schraube meinen Fleischkonsum grade selber schwer runter (ist für mich nicht einfach) und respektiere jeden, der kein Fleisch isst. Aber das Tattoo ist trotzdem geil und für mich auch nicht eine Glorifizierung des Fleischessens, sondern eher lustig.
