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Profil von: melanom
zuletzt online: 24.03.2013
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26.02.2009 11:40:48 / ... / ... [#lang]



Manchmal möchte ich reingucken, in die Köpfe der anderen, der Menschen um mich herum. Nicht immer, ganz bestimmt nicht. Einige Dinge will ich nicht wissen. Aber oft genug würde ich gerne wissen, was mein Gegenüber grade denkt. Zum Beispiel über mich, wenn sie mich mustern. Du kannst die Fragezeichen sehen, die blinken grell über ihren Köpfen. Immerhin ein Zeichen, dass sie denken..lol. Die Zugbegleiterin grade geht an allen Fahrgästen total freundlich vorbei, checkt die Karten mit nem Grinsen im Gesicht. Als die Sitzlehnen ihr nicht mehr den Blick auf meine tätowierten Arme verwehren, fallen die Mundwinkel in eine eher autistische Grundstarre. Emotionslos kommt „die Fahrkarte bitte..“..Hehe. Was wird sie wohl gedacht haben ? Findet sie Tattoos ekelig ? Pass ich ihr zu gut in die „Tätowiert-Glatze-Nazi“-Schublade ? Bin ich nur Asi ? Fragen über Fragen.

Nein, kein Rumgeheule hier im Blog, so ist das nicht gemeint. Es ist echtes Interesse an der Tatsache, dass Menschen einander beobachten und versuchen, sich über das Äußere ein Bild zu machen. Das ist natürlich, das machen Tiere auch. Passt ein Tier schon rein äußerlich nicht in die Gruppe, ist es z.B. ein Albino, sind die Überlebenschancen eher gering. Es wird verstoßen.

Nun ist der Mensch da aber ein Schritt weiter. Die einen verändern ihr Äußeres bewusst, nehmen dabei (mehr oder weniger) in Kauf, dass man aneckt, die anderen, haben hunderte von Vorurteilen, die ihnen selber das archaische Ausstoßenwollen schön reden.

Aber was gehr da in den Köpfen dann vor ? Einige haben Gesichtszüge wie Schaufenster, die verbergen nichts. Da kannste jeden Gedanken, jede Schubladen-Front sofort erkennen. Aber einige schaffen es geschickt, ihre Fassade zu wahren, aber der grinsende Mund passt nicht zu den ernsten Augen. Das ist der Punkt, wo ich am liebsten reinschauen würde, was da grade abgeht. Geht mir ja genau so. Wenn ich jemanden sehe, der irgendwie aus der Masse rausragt, denke ich mir „Was ist wohl für einer ?“ und krame in meinen Schubladen.

Genau wie ich das mache, praktizieren das so gut wie alle Menschen. Bewusst oder unbewusst. Auch wenn man noch so offen für alles ist, macht man sich ein Bild von dem anderen Menschen. Ich finde das auch nicht weiter schlimm, das ist alles menschlich. Wenn man sich tätowieren lässt, Piercings trägt, bunte Haare hat, Dreads trägt, besonders dick oder dünn ist, öffnet sich beim Gegenüber irgendeine Schublade, wo derjenige einen einzuordnen versucht. Überschreitet man noch eine Grenze, die der Provokation, ist das noch unwahrscheinlicher, dass das Gegenüber einen neutral betrachtet.

Das muss nicht immer schlecht sein, das will ich nicht sagen. Aber es ist etwas, was das Leben beeinflusst. Ob positiv oder negativ, hängt auch davon ab, wie derjenige selber seine Schublade sieht. Jemand, der sich seine Unterarme aus einem elitären Gedanken heraus hat stechen lassen, verwertet das garantiert anders, als jemand, der sich die gleiche Körperstelle aus einem Gruppenaspekt heraus hat machen lassen, der ihn heute eher belastet. So freut es jemanden, der sich beim machen lassen gedacht hat „Ha, ihr könnt mich mal, ich lass mich zukleistern, ich kanns mir erlauben“ (offene Tattoos als Prestige-Objekt sind immer mehr im Kommen…) bestimmt, wenn die Kassiererin im Lidl ihn wie ein Asi mustert und er sich denken kann „Baby, ich hab die MasterCard-Platin-Diamond-Arschlecken-Deluxe, du nicht…“. Mustert die gleiche Lidl-Kassiererin allerdings den Knasti nicht so. Der kann aus dem Mustern nicht so viel Spaß ziehen. Zu oft schon ging für ihn die Schublade gegen seinen Willen auf.

Aber wie man dreht und wendet, egal zu welcher Gruppe man gehört : Es bleibt immer ein Filter, eine Ecke am Ego, von der sich andere berührt oder gestoßen fühlen.

Also mir gefällt, das macht das ganze spannender, das Leben nicht so langweilig. Und es gibt mir das Gefühl, nicht einer von vielen zu sein. (der ich aber letztendlich doch bin…)

So hat dich Schaffnerin mich wenigstens wahrgenommen.loool

Kein Diskussion über Toleranz, ich hab nur laut nachgedacht. ;-)


Ps. : Und dann ist da noch ein Kopf, da würde ich gerne mal drin sein. So wie in „Being John Malkovich“. Das ist der Kopp von meinem Fast-Sohn (Fremdzucht meiner Ex)..Der denkt irgendwie so anders, das würde ich mir gerne mal geben, einen Tag lang oder so. Würde dafür auch in den neuneinhalbten Stock gehen ;-)

Ich zitiere : „Wenn du jetzt nicht aufräumst, bekommste keine Pommes“..“Egal, dann koch ich mir ein Brot…“

Bitte, nur einen Tag, ja ? loooool

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