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Tattoo-Index
27.08.2008 21:41:46 /
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Vorweg, bevor dieser Artikel beginnt, etwas grundlegendes : Ich weiß, dass das Swastika Jahrtausende alt ist. Ja, ich weiß auch, dass es eigentlich eine gute Bedeutung hat.
In vielen Kulturen kommt dieses Zeichen völlig unabhängig voneinander vor. Warum ist das so ? Ich denke es liegt darin begründet, dass es einfach ein sehr schönes kräftiges Zeichen ist, was sowohl Anleihen an die Sonne (Strahlen) hat, als auch eine Drehbewegung impliziert. Ein wunderschönes Zeichen mit vielen schönen Abwandelungen, welches die Menschen überall auf der Welt und in vielen Epochen fasziniert hat. Ich glaube, man musste es einfach erfinden, denn die Form liegt einfach nahe.
Nun aber der Teil, der mir auf der virtuellen Zunge brennt…
In vielen Kulturen ist es ein Sonnensymbol, wird als Glückszeichen getragen und wurde nur hier in Deutschland im Zeitraum des dritten Reiches (1939-1945) missbraucht. Auch die Nazis haben die Macht dieses Zeichens erkannt und wussten dies geschickt zu nutzen. Das Zeichen war allgegenwärtig. Wer sich dem menschenverachtenden Regime anschloss, trug das Hakenkreuz. Die Nationalsozialisten haben dieses Hakenkreuz benutzt, wie es später Orwell mit dem Gesicht des „Big Brother“ nicht besser hat aufarbeiten können. Ein Zeichen, was für das Böse stand. Für 6Millionen systematisch eliminierte Menschen. Für einen zum politischen Mittelpunkt gewordenen Rassenhass, der heute noch seines Gleichen sucht.
Kurzum, das Hakenkreuz steht für Vernichtung und Tod.
Klar, aus Sicht des Swastika sind die paar Jahre das ein lächerlich kleiner Zeitraum. Und zumindest vom Missbrauch her, sehr regional begrenzt.
ABER…
Nun ist es nun mal so, dass die Menschen hier gelernt haben, was mit dem Zeichen in Verbindung steht. Teilweise am eigenen Leibe, auch wenn diese Zeitzeugen langsam immer weniger werden. Aber das Zeichen hat hierzulande ein schlechtes Karma. Und der Missbrauch der Nazis ist auch erst 60Jahre her. Gemessen an der Historie des Swastika wieder sehr wenig Zeit.
Nun ist es in letzter Zeit „In“, sich mit diesem Zeichen zu schmücken. Der Gedankengang, den ich völlig nachvollziehen kann ist, dass man sich sagt „Ne, den Nazis lassen wir diesen Missbrauch nicht“. Ich kann verstehen, dass man dieses Zeichen gerne wieder benutzen würde als das, was es ursprünglich ist : Ein tolles Symbol.
Damit habe ich persönlich auch kein Problem. Wenn die Aufklärung vor dem Tragen käme. Wenn jemand sich dafür stark machen würde, hierzulande über das Zeichen zu erzählen (Manwomen
ist einer von ihnen in USA), fände ich das nicht unsinnig. Man kann die Menschen zwar nicht zwingen, das Swastika wieder positiv zu sehen, aber man könnte dran arbeiten. Leider zieht die Swastika-Gemeinde das Pferd von hinten auf. So schmückt man sich mit einem hierzulande einfach schlecht behafteten Zeichen und empört sich künstlich, wenn andere ihr erlerntes Wissen über das Zeichen anwenden. Da wird mit „Rückständigkeit“ argumentiert, mit einer unglaublichen Arroganz so getan, als wäre der Rest der Welt dümmer als man selber.
Ich bringe hier auch noch mal meinen Vergleich an, den ich gerne in der Swastika-Diskussion benutze : Wenn du mit dem Zeigefinger und dem Daumen einen Kreis bildest, bedeutet das in den meisten Ländern etwas gutes. Du drückst damit ein Lob aus, eine nette Geste. Aber es gibt Länder, da heißt das gleiche Zeichen einfach „Arschloch“. Nun kann man nicht hergehen und in einem Land, wo dieses Zeichen eben nicht das gute „Excelent“ bedeutet, sondern „Arschloch“, eben dieses Zeichen benutzen und darauf verweisen, dass es in allen anderen Ländern eben etwas tolles ist. In dem Land aber eben nicht. Da sind auch nicht die anderen „dumm“, sondern man selber.
Symbole und Zeichen machen nur dann Sinn, wenn das Gegenüber, oder der Angesprochene, dieses Zeichen im gleichen Kontext sieht. Das sind Grundregeln der Kommunikation. Und sich mit Zeichen und Symbolen schmücken ist Teil von Kommunikation. Ein Teil des Tragens dreht sich sicherlich um den Träger selber, aber der andere Teil „teilt der Umwelt mit“. Und in dem Part kann man nicht einfach Grundregeln missachten und sich dann aufregen.
Ich persönlich kann den Boom um dieses Zeichen weder ernst nehmen, denn ich spüre immer wieder auch die provozierende Haltung, die mit dem Tragen dieses Zeichens verbunden wird. Noch kann ich verstehen, warum es wichtiger ist, ein Zeichen zu reaktivieren, als auf die Gefühle der hier lebenden Menschen Rücksicht zu nehmen.
Ich würde es weder tragen, noch stechen. Würde ich woanders leben, in einem anderen kulturellen Hintergrund, wäre mir das Latte, aber hier nehme ich den Kontext, in dem das Zeichen von der Bevölkerung gesehen wird für wichtiger, als den, in dem es woanders steht.
Aber hier, in unserer Kultur, dazu gehört auch das, was uns nicht lieb ist, was wir gerne ungeschehen machen würden, bedeutet dieses Zeichen einfach viel zu viel schlimmes, als dass ich es mit einem guten Gefühl tragen könnte.
Aber es sieht toll aus…Wunderschöne Tattoos habe ich schon damit gesehen. Allein der Arm vom Malfred
ist schon Bombe…Großartig. Und viele Tattoos vom Marc vom SwastikaFreakshop hauen mich echt um. Würde auch niemals jemanden das untersagen wollen, sich so was machen zu lassen. Aber man muss halt in Kauf nehmen, dass es Leute scheiße finden. Schön hin oder her...Das Karma des Zeichens ist hier im Lande echt im Arsch…glaube nicht, dass es noch Glück bringen kann ;-)
05.08.2008 11:31:02 /
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..wird von der Dove-Werbung schön in Szene gesetzt. Zum Altern gehört es dazu, dass man Falten bekommt, man/frau sich einfach innerlich und äußerlich verändert. Und genau wie in der Werbung und damit im davon beeinflussten Alltagsleben, ist es auch bei Tätowierungen so, dass es anscheinend Leute gibt, die das Altern nicht verstehen oder wahrhaben wollen.
„Wann stichst du deine Tattoos endlich mal nach, die sind ja schon total alt…“
Ja, Tätowierungen werden älter. Mit der Zeit verschwimmen durch die natürliche Zellteilung nach und nach die Linien mehr, zu kleine Details laufen etwas zusammen. Auch Hell/Dunkel-Verhältnisse verändern sich dann mal. Farben können blasser werden. Viele, die ich hier und im Alltag treffe, kennen alte Tätowierungen kaum. Der Einstieg in die Materie ist in der Regel nicht länger als 10Jahre her, woher sollten sie es dann auch wissen ?
Aber Tätowierungen altern. Das fällt dem Träger meistens nicht wirklich auf, weil er das Tattoo jeden Tag sieht, was das Beobachten von Veränderungen schwer bis unmöglich macht. Aber wenn man dann mal alte Fotos sieht, die älter sind als 15Jahre, dann kann man schon recht gut sehen, dass die Tätowierung sich verändert hat.
Ist das ein Grund, nach dem Vorbild der gängigen Kosmetik-Werbung nun in „Hilfe, ich werde alt und muss das verhindern!“-Panik zu verfallen ?
In meinen Augen absolut nicht. Alte Tattoos haben ihre eigene Ausstrahlung. Sie erzählen Geschichten, zeugen davon, was früher einmal den Träger bewegt hat. Ein gealtertes Tattoo hat Jahre mit dem Träger verbracht, ihn vielleicht einiges an Gesprächen, Diskussionen und Kontakten gebracht. Ist vielleicht unter interessanten Aspekten entstanden, kann auch mal schlechter gestochen sein, als es aktuell möglich wäre. Aber es bleibt etwas, was Einfluss genommen hat, in welcher Weise auch immer.
Und irgendwann werden auch die Tattoos, die in den letzten zehn Jahren gestochen worden sind, alt ausschauen und die Erinnerung macht aus dem, was heute noch als normaler Gang ins Tattoostudio gespeichert ist, eine Anekdote, die wieder jemanden interessiert, weil es dann wieder „die gute alte Zeit“ sein wird, in der die Tätowierung gestochen wurde. Dann, könnt ich die verstehen, denen ihr die Frage mit dem Nachstechen heute stellt. Dann werdet auch ihr ein Stück von eurem Leben auf eurer Haut tragen und nicht „nur ein Bildchen“, was es heute noch ist ;-)
Ich persönlich werde meine Tattoos nicht „auffrischen“ lassen, weil sie gealtert sind, denn ich liebe sie, wie sie sind. Ohne sie, wäre ich nicht der Mensch, der ich bin und sein will. Sie sind mit mir durch viele Situationen gegangen. Auch wenn ich sie selber entworfen habe, haben sie mich im Nachhinein geformt. Also behandel ich sie mit Respekt.
Eine Ansichtssache…meine Sicht der Dinge.
Ps. : Klar, wenn eine Farbe mit ihrem lichtabhängigem Zerfall völlig verschwunden ist und damit das Bild „unleserlich“ macht, macht es Sinn, dass ganze mal wieder „in Form“ zu bringen. Aber Farben habe ich nie an mir gemocht, also bin ich da raus ;-)
