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Tattoo-Index
21.06.2009 13:33:48 /
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Nachdem ich ja schon vor ein paar Tagen mal über eine Gerichtsentscheidung gebloggt habe, die einem tätowierten Angestellten das Recht auf seinen Arbeitsplatz zugesprochen hatte, nun ein zweiter, hier in Deutschland beheimateter Fall :
Dieser ist war schon was älter, aber zeigt schön, dass auch deutsche Gerichte zu Gunsten der Vernunft, zu Gunsten der Gleichstellung von Tätowierten und Nichttätowierten (die sollen auch ganz nett sein...lool) entscheiden.
Danke nochmal an TommyD für den Link, auch wenn ich ihn erstmal schön vergessen habe. ;-)
Laut diesem Link zu Jurawelt.com
hat ein Anwärter auf ein Studium im gehobenen Polzeidienst klagen müssen, weil der Arbeitgeber, hier wenn ich das richtig verstanden habe das Land Hessen, ihm dieses Studium wegen der Unterarmtätowierungen des Antragstellers, verweigern wollte. Das Gericht beschließt, dass die Verweigerung dieses Studium nicht rechtens ist, da die Tätowierungen keinerlei Einfluss auf die charakterlichen oder berufliche Eignung des jungen Polizisten hat.
"Die bloße Erwartung von Teilen der Bevölkerung, Polizeibeamte oder -beamtinnen müssten ein bestimmten eher traditionellen Erwartungen entsprechendes Aussehen haben, genügt für sich genommen nicht, die aus der freien Entfaltung der Persönlichkeit herrührenden Rechte eines jeden, denen zugleich auch das Recht aus Art. 134 HV zusteht, in unverhältnismäßiger Weise zu beschränken."
"...da der öffentliche Dienst gerade im Hinblick auf das Grundrecht aus Art. 134 HV stets auch ein gewisses Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft und ihrer dortigen Verhältnisse ist."
Schön, dass dem Grundgedanken, dass auch die Polizei einem Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen sollte, nun auch optisch Tribut gezollt wird.
Warum auch nicht ?
Erfreulich, dann kann man in Zukunft im Streifenwagen noch bissel über Pigmente plauschen....looooool
12.06.2009 16:17:54 /
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Ok, bevor ich mich entschieden habe, diesen Blog zu schreiben, musste ich mich durch folgende Überlegung zwängen : Ist das nicht mit dem Risiko behaftet, den Schrott gleichzeitig zu bewerben ? Ja, das mag sein. Aber wer googeln kann, findet das gewünschte in Sekunden. Und für die zwei drei Deppen, die trotz des folgenden Textes denken "Boar Alder Ey, voll der gute Set für krass selber tätowieren lernen..." bewege ich bestimmt zehn, die ein Starterkit als solches überhaupt nicht mehr kaufen werden. Also Hater, probiers woanders ;-))
(Der Link wurde mir von meinem IM cereal_killer zugespielt..)
Also, der Start in die Tätowiererei ist so eine Sache. Meine Meinung dazu ist die, dass es ein so komplexes Thema ist, dass Learning by Doing im Regelfall in die Hose geht. Und selbst bei denen, die über die Jahre sich entwickelt haben, kann man in verschiedenen Details nie regulierte Grundfehler erkennen. Letzendlich bleibt einem, wenn man es ernsthaft angehen will, nur der Gang über TattooStudios, die allerdings mit Anfragen von Berufseinsteigewilligen überschwemmt werden.
Was bleibt sind unzählige, die diese Möglichkeit nicht geboten bekommen, die für diese Möglichkeit das Ganze nicht ernst genug angehen und eine Industrie, die mit diesen Semi-Profis Geld machen können.
Gute Komplettsets sind von daher seltern, als das "gute" Herrsteller einfach nicht den Privatmann als Kunden haben, sondern Studios, die ihre Grundbedürfnisse individuell zusammenstellen. Eine Grundausstattung ist auch weitaus umfangreicher, als diese Koffer des guten Willens nur ansatzweise abdecken könnten.
Vergleicht man solche Sets mal mit Autos, so stellt der erfolgversprechende Weg "Klinken putzen/Ausbildung vollzeit annehmen/Tätowierer werden" den weg dar, den wir kennen : "Fahrstunden nehmen/Führerschein machen/Auto von Papa gestellt bekommen(und von Fahrschule und Papa eine gewisse Verkehrsethik mitnehmen)".
Das TattooStarterKit kaufen und ausprobieren wäre dann in etwa so :
Ein dubioses Auto unbekannter Marke kaufen/null Ahnung von Autofahren, von Mechanik, Verkehrsregeln, anderen Verkehrsteilnehmer haben/ einfach mal mit Vollgas aus der Hofeinfahrt brettern und darauf zählen, dass die anderen es ausbaden.
Kommen wir aber zum Star des heutigen Bühnenprogramms :
Das "Tattoo Set1" von www.deluxe-electronix.de
zum unschlagbaren Preis von unter 100 Euro ! Warum mich dieses Set besonders begeistert, ist unter anderem naturlich der Preis und die Überlegung, wie für so wenig Geld was für eine Qualität anbietbar sein kann.
Grundlegend deckt das Set ab, was man für den eigentlichen Vorgang braucht, wenn man Dinge wie Nachbereitung (ohne Ultraschallgerät werden die Griffstücke und Spitzen nicht sauber) und Hygiene als solches mal außer Acht lassen würde. Hier bei diesem Set ist die Bestückung logischerweise am unteren des unteren Limits. Zehn Farbkappen sind fürn Arsch, was sind das für Nadeln ? und und und....
Es ist schlichtweg nicht möglich, einigermaßen (sodass es nicht sofort zum Scheitern verurteilt ist und gesundheitliche Risiken ausschließt) gutes Material für diesen Preis anzubieten. Es ist mir auch absolut nicht greifbar, warum so gedumpt werden muss. Wer ist da der Zielkunde ? Ein Harz4-Empfänger, der zu viel DosenPfand-Jäger in seiner Umgebung hat und nun "mal irgendwas anderes ausprobieren will" ?
Sicherlich sind solche Sets gängig, sicher aber auch, dass aus einem solchen Set keiner einen guten Start rauszaubern kann. Ein Anfänger muss mit vielen Dingen kämpfen, die das neue Medium bereit hält. Er muss auch damit zurechtkommen, dass jede Haut anders ist, dass es keine Konstante in dieser Kunst gibt, wie ein immer gutes Malpapier. Aber wenn er dann noch mit dem untersten Limit an den Start geht, potenziert sich die Fehlerquote sprunghaft.
Aber was mich besonders begeistert sind die EinwegSpitzen, die ausgepackt im formschönen Schaumstoff liebevoll integriert worden sind. Einweggriffe und Spitzen bestehen aus Plastik und können nicht im Heißluft oder Wasserdampf-Steri steriliert werden. Sprich : Diese kann selbst der Tätowierer, der sich im Besitz eines Steris befindet, nicht wieder steril bekommen. Die sind schon "durch" bevor der Anfänger diesen Koffer in den Händen hält.
Mitgedacht...
12.06.2009 14:12:18 /
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Mein LieblingsAdmin (die anderen sprechen eh nie mit mir…lol) hat mir folgenden Link mit den Worten „Stoff für nen Blog???“ zugesteckt :
http://www.n24.de/news/newsitem_5112903.html
![[DE]](/images/flags/DE.gif)
Aufhänger für diesen Artikel ist die sich seit neustem in Kraft befindliche „Tätowiermittelverordnung“, ich HIER
schon mal gebloggt hatte. Letztendlich befasst sich der Text mit einem Problem, über das lange nicht nachgedacht worden ist, nämlich die Spaltprodukte von TattooFarben. Was dazu führt, dass es heute „akut“ wird, ist sicherlich der Trend des Lasern, die steigende Anzahl der Tätowierten (je mehr öfter etwas durchgeführt wird, desto häufiger können logischerweise auch Komplikationen auftreten) und ein steigendes Sicherheitsdenken. Letzteres sehe ich allerdings mit gemischten Gefühlen. Denn die Tendenz, wirklich alles auch bis ins letzte „save“ zu machen, hat zu einem überspitzten „was aber wäre wenn“-Denken geführt. Sicher ist im Straßenverkehr ein Helm für Radfahrer richtig, aber wenn ich auf Spielplätzen Kinder mit einem Roller fahren sehe und die Mutter ruft „Malte, bitte setz dir den Helm auf..“, dann schüttelt es mich. Genau so sehe ich den Drang, nur noch TattooFarben zu entwickeln, die entfernbar sind.
ES IST FÜR IMMER ! Und das sollte auch weiterhin ein Grundkriterium sein, was eine Tätowierung ausmacht. Dass nun ganze Farbpaletten verboten sind, die den Trägern tolle Tattoos garantieren, weil sie einer Farbgruppe zugeordnet werden, von denen einzelne als bedenklich gelten, ist schon strange. Zumal diese Azo-Farbstoffe in vielen anderen Produkten, unter anderem in Lebenmittelfarbe, weiterhin vorkommen.
Was mich allerdings prinzipiell an jurnalistischer Argumentation stört ist, wenn Dinge angeführt werden, die der Grundlage entbehren. Das weiß der Leser allerdings in der Regel nicht und was hängen bleibt ist dann nur die fragwürdige Komplikation :
„"Nickel bleibt das weltweit häufigste Kontakt-Allergen", schätzte Wolter. Doch auch Bauch-, Nasen- und Zungenstecker aus Chrom oder Kobalt könnten das menschliche Immunsystem in heftige Verwirrung stürzen.“
Wo soll den dieser Schmuck verwendet werden ? Wie weit ist diese Aussage entfernt von der Tatsache, dass die Schmuckindustrie schon vor Jahren sich diesem Problem gestellt hat und es so einfach nicht mehr existiert ?
Was hängen bleibt hört sich dann am Stammtisch oder dem zugehörigen Four-Letter-Word-Boulevard-Blättchen wie folgt an : „Du hömma Ilse, der Florian will sich doch tatsächlich ein Zungenpiercing machen lassen, dabei habe ich neulich noch gelesen, dass das schlimme Folgen für das Imunsystem haben kann….“
Alles in Allem ein Artikel, dessen unterschwellige Grundaussage mich mittlerweile nur noch langweilt.
Ja, Tätowieren bringt auch Risiken mit sich. Das gehört wie bei vielen anderen Dingen im Leben mit dazu, das kann jeder für sich selber abschätzen, ob er das in Kauf nehmen will. Die Risiken werden seit mehr als 10Jahren stetig und forschend reduziert und sind heute minimal. Es wird mal Zeit, diese Entwicklung zu erwähnen, statt die Restrisiken mit der Lupe aufzublähen und in Rampenlicht zu zerren. Mit den durch normalen Zerfall entstehenden Spaltprodukten scheinen Millionen Körper seit über Hunderten von Jahren schon sehr gut klar zu kommen. Was nun der Laserboom (sick!) mit sich bringt an neuen Erkenntnissen, wird die Zeit zeigen. Aber ein Laser sollte nicht "normal" werden, wenn man über Tattoos spricht. Lieber vorher nachdenken, statt hinterher über das Spaltprodukt stolpern ;-)
Die Risikobereitschaft beim Tätowieren ist nicht größer, als sie sein müsste. Im Gegenteil : Der Kunde ist heute viel aufgeklärter als früher und weiß schon recht gut, worauf er in einem TattooStudio zu achten hat.
Nur die Tatsache, dass es für immer sein sollte, die sollte man ihm wieder einimpfen, die ist im Rahmen des Steißbein-Booms ein bisschen verwaschen worden.
