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Profil von: melanom
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22.07.2008 23:46:27 / ... / ... [#lang]

Das Licht weckt ihn, kein Wunder, dass er kein Nachtmensch ist, er könnte kaum tagsüber schlafen. Naja, könnte schon, denn es gibt ja Rollos.

Der erste Schritt aus dem Bett ist der schwerste des Tages. Müde ist er, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass er wieder bin in die Nacht hinein gezeichnet hat. Immerhin diesmal für ihn selber. Muss auch mal sein. Immer nur die Wünsche Anderer erfüllen schlaucht die Phantasie. Dann muss hin und wieder mal ein Bonbon drin sein. Sein letzter Tattootermin ist schon Monate her. Aber das ist nun nebensächlich. Seine Gedanken schwirren um die Entscheidung, ob er den Wecker nun noch ne halbe Stunde weiter stellt, oder direkt aufstehen soll. Die Entscheidung wird ihm abgenommen, denn es klingelt…Fuck…Müllabfuhr.

In die Küche geschleppt, Kaffeewasser aufgesetzt und erstmal Zähne putzen. Verdammte Hacke, hätten weniger Zwiebeln gestern im Salat sein müssen, damit er jetzt nicht den Mundstuhl des Jahrhunderts hätte.

Den Colgate-Geschmack tötet er mit Kaffee, der Mensch braucht Rituale. Das nächste Ritual soll hier mal nicht beschrieben werde….lol

Nach dem auch der Rest des Körpers gereinigt wurde, geht’s raus in die RealWorld. Damn, wieder die gleichen Fressen draußen, wieder die Mundwinkel, die anscheinend Tonnen wiegen. Sein nicht, denn er hat heute Glück. Nein, er hat nicht nur heute Glück, er hat es eigentlich täglich, denn er muss nicht am Band stehen. Er muss auch nicht jeden Tag das gleiche machen. Seine Berufung beschert ihm fast täglich neue Aufgaben. Vor allem weil er nicht grade der Sterne-Tätowierer ist.

Die Ladentür ist abgeschlossen. Son Dreck, also selber wischen. Ob die anderen wieder vom Stau gefickt werden ? Tauschen will er nicht, dann lieber Putzen. Doch vorher spült er die Griffstücke vom Vortag mit Wasser ab, weil die Lösung aus dem Abwurfbecken nicht grade gesund ist. Bamm, die Tür geht auf, die erste Seele betritt das Studio. Geil, nicht putzen müssen ist Luxus. Mach ich die Griffstücke fertig für den Steri. Schön mit den Bürstchen schrubben. „Sterilisierter Dreck ist auch steril“ hat er mal einen schlauen Mann sagen hören, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Also schön die letzten Farbreste mit Bürste und Ultraschall eliminieren. Dann wieder mit Wasser abspülen und trocken lassen.

Nun ist erstmal Zeit für DailyTalk. Mist, wieder den Wasserzulauf vom Steri vergessen. Also schnell mal hinhechten (Boris Becker hätte es nicht besser machen können…) und die Sinnflut stoppen. Wenn das der Chef sieht, dass sein Geld wieder literweise vergeuldet wird, hätte der Arsch wieder Kirmes…lol

Die Griffe sind fertig getrocknet, also schnell einschweißen in Steriüten und rein in die Wasserdampfhölle. Der Boden ist mittlerweile Wischdesinfiziert, fehlt noch der Arbeitsplatz.

Der Arbeitswagen, muss sich jeden Tag, manchmal mehrmals, einer Behandlung mit Flächendesinfektion gefallen lassen. Aber er glaubt fest an die spirituelle Reinigung..lol

Der Blick in den Kalender erhöht die Freude, denn es steht ein Motiv an, auf das er schon lange Bock hatte. Nichts schnödes, sondern sein Fachgebiet. Das sind die schönsten Tage, wenn das Arbeiten gut von der Hand geht. Jeder Mensch, egal was er ausübt, macht das am besten, was er gerne macht. Also macht er seinen Arbeitsplatz mit Klarsichtfolie parat, tütet schon mal Maschinenkabel, Sprühflasche ein, zieht einen Fingerling über den Netzgerät-Drehknopf und wählt seine Nadeln aus. Die Stifte zum Aufzeichnen sprüht er besser noch mal mit Alkohol ein, wer weiß, was sich darauf abgesetzt hat.

Die Kundin mit den Riesenbrüsten, äh…mit dem tollen Motiv betritt den Laden. Fein, pünktlich…Aber er ist noch nicht fertig. Ihr macht das aber nichts, gibt immer was zu stöbern in Magazinen, die hier reichlich rum liegen.

Während sie wartet, kann er weiter der Hygiene frönen. Er legt schon mal ein paar Maschinen-Hüllen raus. Früher hat er ohne gearbeitet, aber er hat eingesehen, dass es nicht zu verhindern ist, dass er die Maschine mit den Arbeitshandschuhen kontaminiert. Besser zu sicher als zu nachlässig arbeiten. Die Mundspatel für die Vaseline sind alle, schnell neue aus dem Vorrat holen. Gelegenheit, mal zu schauen, wer sonst noch im Eingangsbereich rumlungert. Schnell in die Runde gegrüßt und zurück ins Schmerzkämmerlein. Nach der Vaseline die Farbkäppchen. Die allerdings fasst er nur mit Handschuhen an. Ist ihm lieber so.

Nachdem er die Hände desinfiziert hat, reißt er einen ausreichend großen Stapel Zewa ab. Öfters hat er übrigens schon beobachtet, wie der Rest, wenn was nach einem Kunden übrig
geblieben ist, bei anderen Tätowierern für den nächsten Kunden benutzt wurde. Geht mal gar nicht…ist kontaminiert. Naja, werden die auch noch lernen.

Die Griffstücke kommen aus dem Steri, zum anfassen noch zu heiß, aber er muss eh noch aufmalen.

Besonders freut er sich heute darauf, das Motiv auf die Körperstelle anzupassen und die Kundin mit einer gelungenen Idee zu überraschen. Stencils mag er auch, aber bei großen Motiven, macht das Aufmalen mehr Sinn. Muss ja gut passen. Also rasieren, desinfizieren und aufmalen.

Sie mag den aufgemalten Entwurf sehr, grinst jetzt schon bis über beide Ohren (die am Kopf…lol).

Er setzt jetzt die Maschinen und die ausgewählten Griffstücke zusammen. Mit Handschuhen natürlich, denn sonst hätte man sie nicht sterilisieren brauchen. Die Hardware bleibt zwar nicht lange steril, denn an der Luft ist die Sterilität nicht lange gegeben, aber man muss ja nicht direkt die Griffe und Nadeln mit Keimen in Kontakt bringen. Er überlegt schon länger, ob das Abreißen des Zewas nicht mit Handschuhen noch sicherer wäre…Innerlich weiß er die Antwort schon.

Nachdem er die Maschine mit Plastiktüten verhüllt hat, ist eine Crosskontamination nicht mehr möglich. Das erklärt er auch der Kundin, die das zufrieden aufnimmt. Offensichtlich nimmt er es sehr genau mit der Verhinderung von Risiken. Und sei es nur die nicht so wahrscheinliche Übertragung von Krankheiten über den Rahmen der Tattoo-Maschine.

Die Farbhütchen hat er gefüllt, es kann losgehen. Nach den ersten Linien merkt er, dass die Haut den Stift nicht so toll hält. Vielleicht hat sie sich eingecremt heute Morgen. Fuck, da heißt es besonders aufpassen, damit nichts verschmiert, denn nachzeichnen geht nicht. Das hieße nämlich, den Stift mit potenziellen Erregern kontaminieren. Also muss jede Linie sitzen und die Finger zum Hautspannen einen wahren Akrobatik-Akt vollbringen, damit er nicht die aufgemalten Stellen berühren muss.

Aber alles passt. Zum Glück hat sie eine feste Haut, wo man schnell den Punkt hat, wo sie gespannt ist. Gibt’s auch anders, da kann er mehr ziehen, als Falco das je gemacht hat, und bekommt trotzdem kaum Spannung auf die Haut.

Aber et läuft….Auch das Schattieren befriedigt ihn. Geht alles schön sanft rein. Sie scheint kaum Schmerzen zu haben, was gut ist, denn wenn jemand verspannt, bremst das auch ihn oft. Auch ist verspannte Haut schwieriger im Verhalten. Aber ihre Haut ist der Hauptgewinn. Die Nadel dringt sanft ein, es ist kaum Reizung zu sehen. Hin und wieder wischt er die tätowierte Stelle mit Wasser ab. Früher hat er immer mit der Sprüflasche auf das Tattoo gesprüht, aber heute weiß er, dass es besser ist ins Zewa zu sprühen und nicht direkt auf die Wunde, damit abprallender Sprühnebel keine Körperflüssigkeiten in der Umgebungsluft verteilt.

Nach zwei Stunden ist die Farbe alle. Nachfüllen tut er immer erst, nachdem er frische Handschuhe angezogen hat, die noch keinen Wundkontakt hatten. Zu groß ist die Gefahr, die Farbflasche zu kontaminieren. Hehe, denkt er….Er muss an diesen Tätowierer denken, der nicht nur mit blutigen Handschuhen die Farbflaschen anfasst, sondern auch den blutverschmierten Zewa-Lappen dazu benutzt, die Farbflasche auf und wieder zuzumachen. Er selber würde die Flasche dann sofort wegwerfen….

Nach drei Stunden kommt er endlich zum Ende. Nach dem Schwarz und den Farben, setzt er noch mit Weiß die Highlights. Weil Weiß in der Regel als letztes gemacht wird, meine einige fälschlicherweise, dass Weiß am meisten weh tut. Darüber muss er immer schmunzeln.

Nachdem er ein letztes mal die Farbreste und die Vaseline mit dem angefeuchteten Zewa abgewischt hat, schickt er die Kundin zum Spiegel….

Ihre Augen leuchten. Das ist der schönste Augenblick für ihn, der eigentlich Lohn ist die Freude desjenigen, der von nun an ein Stück Kunst von ihm für immer in der Haut trägt. Manchmal bekommt er Gänsehaut bei dem Gedanken. Er macht etwas, und ein anderer Mensch wird ein Leben lang drauf gucken. Abgefahren, denkt er in solchen Augenblicken.

Nachdem er das Ganze mit Folie abgeklebt hat und ihr die nächsten Schritte von wegen Pflege erklärt hat, verlässt sie zufrieden das Studio. Für ihn ist aber noch nicht alles geschafft. Die Nadeln schmeißt er weg, auch wenn man sie nochmals sterilisieren könnte. Er hat aber keine Lust die Spitzen mit der Lupe überprüfen zu müssen. Lieber schmeißt er sie weg und ist sich sicher, dass die neue Nadel perfekt ist. Andere machen das vllt anders, was er ok findet.

Die Griffe kommen ins Ultraschall, zum groben Vorreinigen, danach ins Abwurfbecken, damit sie schon über Nacht keimtot werden. So kann es sich am nächsten Tag sicher sein, dass er sie gefahrfrei noch mal reinigen kann. Er entfernt noch schnell die Einwegmaterialien und tratscht mit den Arbeitskollegen über den Tag. War ein schöner Tag, hat ihm Spaß gemacht. Hoffentlich kommt sie bald mal wieder, denkt er noch, als er sich Richtung Home macht. Er macht sich schnell noch was zu essen und fällt auf die Couch. Zeichnen muss er heute nicht, denn er weiß, dass er morgen nur ein Tribal ausfüllen muss. Mist, bei dem Typen der ihm immer auf den Sack geht….

Naja, kann nicht jeder Tag die Sonne aus seinem Arsch scheinen….gegen drei wacht er mit steifem Nacken auf der Couch auf und schleppt sich ins Bett…morgen geht’s weiter….



(Ähnlichkeiten sind rein zufällig und das ganze spielt sich so oder anders bestimmt täglich tausende von Male auf der ganzen Welt ab…so oder so….mit ihm oder ihr....) ;-)

(Bin hiermit (gerne) einem Artikel-Wunsch nachgekommen. Hoffe ich hab das richtig verstanden. Hab bissel Hygiene-Wissen mit reingepackt...kann nie schaden...lol)
22.07.2008 11:49:56 / ... / ... [#lang]

So, nun ist platzt mir echt mal der Sack. Warum ? Weil ich außer vielen neuen beleidigenden Kommentaren in den öffentlichen Galerien heute diesen hier lesen musste :

von : User XXX ( 21.07.2008 20:01:56 )
wer so bilder hochläd muss damit rechnen, dass asoziale comments kommen.
von mir auch: lass stecken alte und zieh dich an!
gibt bei pimkie auch günstigen scheiß. oder KIK noch besser...
das passt dann auch zum niveau! ;)

Ich fasse das mal für die, die meinen das wäre OK zusammen : Da klickt ein User in die öffentliche Galerie, sieht ein Foto, muss die Einverständnis-Erklärung, das Beleidigungen zu unterlassen sind lesen, bevor er zum „Ich will ein Kommentar schreiben“-Klicktext kommt und sagt dann kackfrech (in anderen Worten) :

„Wer so ein Bild hochläd, muß sich beleidigen lassen….“ und zieht dann vom Leder.

Sorry, hier läuft was total falsch in letzter Zeit.

EDIT : Wie mir scheint, ist die Userin, die ich zitiert habe, gelöscht. DAS sind die Folgen ;-)


Menschen wie dieser sind der Grund, warum Anarchie nie möglich sein wird. User wie dieser sind der Grund warum überhaupt der Wildcat-Text unter den Bildern steht.
.
Nochmal im Klartext :

Wenn ein Bild nicht pornographisch ist, die Admins es freigegeben haben, hat kein User dieses anzugreifen. Es bleibt euch freigestellt zu sagen, dass euch das Bild nicht gefällt, oder ihr euch nicht so ablichten lassen würdet. DAS nennt man freie Meinung, auch negativ gehalten ist das kein Problem. Aber Massregelung und Beleidigungen haben hier nichts zu suchen, denn jeder andere User hat das Recht, sich so zu präsentieren, wie sie/er es für richtig hält.

Es ist eine Community, die sich um Körperschmuck und Körper dreht, checkt das endlich. Wenn ihr meint, dass es hier um Gedizze oder Bollogehabe geht, geht in ein Bravo- oder Bollo-Forum, aber geht nicht den Usern hier auf den Sack.

Es gibt einige, mittlerweile viele User, die wegen euch kindischem Grüppchen von Usern keine Bilder mehr hochladen. Ihr beschneidet andere in ihrer Freiheit und haltet euch für cool.

Aber ihr seid nicht cool, ihr seid kleine Lichter, die anderen die Lust an der Community verleiden. Ihr müsst noch viel lernen, über das leben und leben lassen.

Wie kann man euch dazu bringen, dass ihr das unterlasst, wenn ihr sowohl resistent über die Regel-Akzeptierung vor dem Kommentar-Schreiben hinweg lest und anscheinend außer den Kommentaren sonst nicht am Community-Leben teilnehmt ? (Wie ich darauf komme, dass ihr am restlichen Community-Leben nicht teilnehmt ? Ganz einfach : Innerhalb der Community (für euch übersetzt : „Gemeinschaft“) ist das schon länger ein Thema. User wie ihr seid zwar in der Regel nur kleine Eintagsfliegen, aber leider der Grund für viele, die länger dabei sind, keine Bilder mehr hochzuladen oder die Com zu verlassen…)



Wie der Wildcat-Ink schon geschieben hat, ist in den Kommentaren diskutieren sinnlos und nicht gewünscht.

Also gilt : Den Admins jeden Verstoß melden !

Hier sind aber dann auch die Admins gefordert. Ermahnungen müssen im Wiederholungsfall zum Löschen des Account führen.

Wenn jemand wie im zitierten Fall willentlich den Text von Wildcat überliest und dann noch behauptet, dass sie/er das Recht hätte, aufgrund des Inhalts eines Fotos den User zu beleidigen, sollten die Konsequenzen über das Ermahnen hinausgehen. Wofür steht denn im Text .

„Wer sich daneben benimmt, fliegt! Wir werden SOFORT und ohne Warnung oder Ermahnung JEDEN User löschen, der die Kommentarfunktion missbraucht!“ ?

Hier sind die anderen User, die das gerne in den Kommentaren ausdiskutieren, und sich leider dann auch im Ton vergreifen, auch angehalten, den offiziellen Weg „Beleidigung→ Admins melden → Füße stillhalten“ zu wählen.

„DON`T FEED THE TROLLS“

Hier für die kleinen Mädchen (kein Vorurteil, sondern eine nüchterne Feststellung, die man einfach aus den Zicken-Kommentaren ablesen kann) noch mal ein Artikel, der erklärt, warum auch ein Bild mit viel Haut seine Daseinsberechtigung hat. : http://www.wildcat.de/article-113-6029.html [DE]

Und wen die von den Admins freigegebenen Bilder stören, der soll sie einfach nicht groß klicken. Denn das ist die Freiheit, die man euch lässt. Was euch nicht gefällt, müsst ihr nicht anklicken. Dagegen sind die Kommentare eurerseits Aktive Eingriffe in die Freiheit desjenigen, der sein Bild hochladen will.

Folgender Kommentar hat mich auch sehr „amüsiert“ :

von : USER XXY ( 20.07.2008 22:54:32 )
@USER XYZ, wie denn ? Ich möchte mir harmlos die Bilder anschauen und das Bild ist ja schließlich gleich da, da ist nix mit weggucken.“

Hahaha…Auf dem Bild, um das es ging, ist ein nackter Männerkörper zu sehen. OHNE Schambereich, nur bis Unterbauch. DAS IST HARMLOS, sonst wäre es nicht freigegeben worden. Und auch auf dem Thumbnail kann man sehen, was einen erwartet. Also :

Nicht großklicken, wenn du dich in deiner Moralvorstellung penetriert fühlst, und schon bleibt dein Leben „harmlos“ loool.

Sorry, lächerlich sowas……


Und um euere lächerliche Prüderie noch mal aufs Korn zunehmen, hier noch etwas Satire…http://www.wildcat.de/index.php?view=0c-articleshow&id=4885 [DE]

Ihr sehr, eurer Verhalten ist nicht neu, User wie euch hat es immer schon gegeben. Die meisten sind irgendwann wieder verschwunden, einige, und das freut mich, haben den Schritt in die Community geschafft und nehmen heute andere User so wie sie sind und unterlassen das Gedizze.

Danke fürs Zuhören…..Mela

Link zu diesem Blog/Artikel werde ich fröhlich in die Gästebücher schreiben, die meinen sie könnten andere hier beleidigen. Ich glaube zwar, dass die kleinen Mädchen das nicht begreifen (können!!), aber auch mein Frust muss mal raus ;-)

21.07.2008 12:40:49 / ... / ... [#lang]

Das Tattoo-Farben schon länger im Fokus der Öffentlichkeit sind, haben die meisten sicherlich schon bemerkt. Ich sage nur „Autolack“, aber dazu später mehr.

Im letzen Jahr sind die Hersteller von Tätowierfarben darüber informiert worden, dass eine Grundlegende Änderung in der Handhabung mit dem mirakulösem Medium Tätowierfarben erfolgen soll. Unterlagen bis dahin diese noch der Bedarfsgegenständeverordnung, wird es ab Sommer 2008 endlich eine gesonderte Verordnung geben.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das ganze schon zu lange einfach der Szene selber überlassen wurde, sich um Inhaltstoffe und Regelungen zu kümmern. Frei nach dem Motto „Wer sich tätowieren lässt hat an Komplikationen selber Schuld.“ haben die sonst so regelwütigen Behörden sich einfach nicht damit befassen wollen. Die funktionierende Eigenverantwortung der Farbhersteller war zwar grundsätzlich vorhanden, aber dennoch sind doch auch Farben auf dem Markt gewesen, die nicht ohne weiteres als ungefährlich bezeichnet werden konnten. Auch wurde jahrelang nicht wirklich über Verfallsdaten oder überprüfbare Herstellungsverfahren nachgedacht.

Das alles hat sich in den letzten Jahren zwar geändert, aber mit dem Boom kamen sowohl ein gestiegenes Interesse in der Öffentlichkeit, als auch ein Anstieg der allergischen Reaktionen. Letzteres ist einfach eine rechnerische Sache : Erhöht sich die Zahl der Anwendungen eines Mittels, erhöht sich auch zwangsweise die Zahl der Komplikationen.

Mit dem steigenden öffentlichen Interesse, haben sich die Medien und mehr oder weniger objektiv testende Institute dem Thema angenommen.

Warum stelle ich die Objektivität in der öffentlichen Diskussion hier in Frage ?

Das ist ganz einfach erklärt. Die mangelnde Objektivität ist ein Produkt aus selektivem Testen und gewollt reißerischer Interpretation durch die Medien. So wurden in den ersten Tests, die eigentlich als Querschnitt dargestellt wurden, nur bestimmte Quellen getestet. Wenn man die seriösen Farbhersteller ausklammert, ist natürlich auch der am Ende relevante Gesamteindruck der Tattoo-Farben-Industrie verfälscht.

Dazu kam dann das willentliche Verdrehen von Sachverhalten durch die Presse. Wenn ein Pigment sowohl im Lackbereich als auch bei Tattoofarben beigemischt wird, heißt das noch lange nicht, dass es sich bei der TattooFarbe um Autolack handelt. In Kuchen und in Crack ist Backpulver..ist dann auch Kuchen gleich Crack ? Eben…Nur weil ein Pigment auch in Lackfarbe vorkommt, heißt das noch lange nicht, dass es nicht gesundheitlich unbedenklich sein kann. Hier wurde dann von der Presse verdreht, was verdreht werden musste, damit die Schlagzeile den Verkauf der Zeitung steigert. Da wird mit den gängigen Assoziationen gespielt, die der Leser hat, wenn er an Autolack denkt (Lösungsmittelgestank/giftig/Chemie), um der Tattoofarbe einen Stempel aufzudrücken. Armseelige Verkaufstaktik, aber nicht verwunderlich im heutigen MedienZeitalter. So geisterte lange, teilweise heute noch, das „Autolack-Gespenst“ durch die Studios.

Letztendlich hat dieses Fehlverhalten der Medien aber einen Prozess in Gang gesetzt, den man prinzipiell nicht als falsch ansehen sollte. Die Schreckensmeldungen haben die eigentlich zuständigen Stellen alarmiert. Mit dem nun entstandenen Interesses der Gesundheits-Instanzen sind ganz neue Aspekt von TattooFarben auf den Tisch gekommen, über die sich die Tattoo-Szene selber noch nicht so viele Gedanken gemacht hatte.

So ist nicht nur relevant, ob eine Farbe als solche verträglich ist, sondern auch, ob die Mischfarben und auch die im Zerfallsprozess einer Farbe entstehenden Spaltprodukte nicht zu Problemen führen könnten. TattooFarben werden dem Sonnenlicht ausgesetzt und zerfallen über Jahre. Je nach Farbton mehr oder weniger. Dieses Zerfallsprodukt muss nicht unweigerlich dieselben Eigenschaften aufweisen, wie die ursprüngliche Farbe.

Auch mit dem heute immer mehr verbreiteten Lasern von Tattoos kommen neue Aspekte ins Spiel. Die oft schon gestellte Forderung, nur noch entfernbare Farben verwenden zu dürfen, ist natürlich lächerlich und würde aus der Entscheidung „für immer“ endgültig eine WischiWaschi-Geschichte machen. Zum heutigen Zeitpunkt kann man nicht jeden Farbton mit einem Laser entfernen, da dieser nur bestimmte Frequenzen hat und nicht jede Farbe „spalten“ kann. Das ist zum Glück immer noch das, was das Tätowieren ausmacht : Eine nicht leichtfertig zu treffende Entscheidung fürs Leben. Aber trotzdem sollte man Farben auch daraufhin untersuchen, dass die Spaltprodukte nach dem Lasern nicht gesundheitsschädlich sind. Denn wird ein Pigment vom Laser zertrümmert, muss das Immunsystem damit klarkommen.


Nun ist das Verbraucherministerium hingegangen und hat die „Tätowiermittelverordnung“ ins Leben gerufen. Obwohl man die Farbenhersteller und auch den D.O.T. in beratender Funktion hinzugezogen hat, kam die übliche Vorgehensweise von Behörden zum Vorschein : Erst jahrelang nicht drum kümmern, um dann mit dem eisernen Besen übers Ziel hinauszuschießen. So sind einige Farbgruppen (AZO) komplett auf der „schwarzen Liste“, obwohl nur ein Bruchteil der Azo-Farbstoffe als bedenklich gelten. Auch sind Pigmente aufgelistet, die einfach aus dem Kosmetik-Bereich als „gefährlich“ übernommen wurden, weil sie dort (z.B.) nicht in Schleimhautnähe verwendet werden sollten. Ist fürs Tätowieren völlig irrelevant, war aber einfacher...Nicht alles was Behörden vorschreiben, macht Sinn, aber das ist ja nichts neues ;-)


Was nicht wirklich verständlich scheint, ist für mich die Definition des Begriffs „Hersteller“. So ist man letztlich der Hersteller eine Farbe, wenn man sich als Tätowierer einen Farbton in der Flasche mischt und später benutzt. Während das mischen der Farbe im Farbtöpfchen dem Künstler freigestellt wird, muss er die fertig gemischte Farbe letztendlich anmelden und sich als Hersteller verantwortlich zeigen. Das macht rein theoretisch das Vormischen von Schwarz/Wasser-Tönen unmöglich. Sinn ? Keine Ahnung….

Auch wird dadurch das importieren von Farben unterbunden. Denn wer die Farben importiert, gilt als Einführer (was in der Verantwortung dem Hersteller gleichkommt), muss das melden und müsste dann, wenn Komplikationen welcher Art auch immer auftreten, als solcher auch die Verantwortung übernehmen, was einen großen Unterschied ausmacht. Er müsste die Farbe prüfen lassen, um jegliches Risiko ausschließen zu können, die z.B. durch die Verunreinigung einer Charge entstehen könnten. Ich halte diese Regelung für unglücklich. So kann der Tätowierer nicht auf einer Convention einfach einkaufen, auch wenn es dieselbe Farbe ist, die auch Hierzulande vertrieben wird.


Die Vorteile der Verordnung sind allerdings im Sinne des Verbrauchers/Endkunden. So werden Inhaltsstoffe von nun an auf den Farbflaschen aufgelistet. Ein Abgleich mit vorhandenen/bekannten Allergien ist so vereinfacht. Auch sind viele als allergen geltenden Pigmente von nun an verboten, die Gefahr von eventuellen Komplikationen wird so verringert.

Die ganze Farbherstellung wird durchsichtiger. Das trägt auch der Entwicklung Tribut, dass die Tattoo-Szene nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, ein Geheimbund ist, der wenige elitäre Anhänger hat. Was wir heute haben, ist eine Riesen-Industrie, die ein breitgefächertes Spektrum an Endverbrauchern bedient. Da ist es mehr als sinnvoll, dass man sich nicht mehr hinter der veralteten Haltung der Subkultur versteckt. Die Szene kann und muss sich nicht mehr durch Geheimniskrämerei nach Außen hin schützen. Schutz vor unbedarften Neueinsteigern bietet heutzutage der rapide steigende Künstlerische Anspruch. Dafür können andere Teile endlich durchsichtiger werden.

Da nützt auch das Rumheulen alter Hasen, die meinen, dass es Früher anders war und sie wünschten, es wäre wieder der kleine Kreis von Tätowierern/Kunden, der Probleme mit Farben eher selten gehabt hat und damit nicht direkt an die Presse gegangen wäre. Aufwachen, es ist nicht mehr so wie Früher, es ist wie es ist. Unzählige Menschen laufen heute in unzählige Studios und auch das Bewusstsein über die Rechte als Kunde hat sich gewandelt. Da darf man sich nicht verhalten wie in einer Seifenblase und versuchen diese zu schützen, bis sie platzt. Wir sind nicht kleine Alices im Wunderland, wir tragen eine Verantwortung, die wir auch erfüllen sollten, denn der Kunde ist das wichtigste….

Aber die Verordnung hat auch immense Vorteile für die Tätowierer : Allergien werden verringert, die Verantwortung der Hersteller ist geregelt, Verstöße von deren Seite sind strafrechtlich verfolgbar.

UND (!!) : Es unterbindet einfach, dass Gerüchte, wie das mit dem angeblich in Tattoofarben vorhandenem Autolack, überhaupt erst aufkommen. Daraus resultiert ein großes Argument wenn es um die Sicherheit im Tätowiervorgang geht. Man muss gar nicht erst rumdiskutieren, sondern kann auf die Tätowiermittel-Verordnung verweisen. Sprich : Der Ruf und der Beruf, die ganze Branche wird seriöser, weil sie mit der Zeit geht. Tätowieren ist ja nun nicht die einzige Branche, die überwacht wird. Auch andere Gewerbe müssen sich der Öffentlichkeit stellen und früher nicht übliche Einblicke gewähren, Überprüfungen zulassen. Sich da ausschließen, würde nicht von Kundenfreundlichkeit zeugen. Dafür kann man die entstehenden Mehrarbeit durch Ablaufdokumentation, Prüfung der aufgelisteten Inhaltsstoffe auf Listenkompatibilität in Kauf nehmen. Die Welt bleibt nicht stehen ;-)


Auch wenn ich das „übers Ziel hinausschießen“ der Verordnung nicht ganz verstehe, begrüße ich doch das Vorhaben als solches, denn es bedeutet mehr Sicherheit für den, der letztendlich die Farbe sein Leben lang mit sich rumschleppen muss.

Inkrafttreten der Tätowiermittel-Verordnung ist der 1.07.2008. Einsehbar ist die Verordnung auf der Internetseite des Verbraucher-Ministeriums.

Ich danke Ralf Michel (Deep Colours! GmbH [DE]Generalsekretär Tattoo Ink Manufacturer of Europe/TIME [DE]) für eine sehr aufschlussreiche Einführung in die neue Verordnung auf dem BmxNet.org-Seminar im letzten Jahr.

Tätowiermittel-Verordnung [DE]




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