WILDFLEISCH (HYPERGRANULATIONSGEWEBE)
DEFINITION
Wildfleisch (Hypergranulationsgewebe) ist eine aus der Wundheilungslehre bekannte, gutartige und übermäßige Gewebeneubildung. Sie wird primär durch dauerhafte mechanische Reize, falsche (schräge) Schmuckwinkel oder hochaggressive Pflegeprodukte provoziert.
SPEZIFIKATION
-
Symptome & Abgrenzung: Präsentiert sich als rötliches oder hautfarbenes Bläschen direkt an den Austrittsöffnungen des Stichkanals. Es handelt sich weder um eine infektiöse Entzündung (kein Eiter) noch um ein Keloid (echte Wuchernarbe), da es sich bei Beseitigung der Reizquelle zurückbildet.
-
Bezug zu Gewebe: Tritt besonders häufig an gefäßlosem Knorpelgewebe (Helix, Tragus, Nostril) auf, da dieses sehr empfindlich auf Druck reagiert.
RELEVANZ FÜR PIERCER
-
Trouble-Shooting & Nachsorge: Der Piercer ist die wichtigste Anlaufstelle zur Behebung. Er muss die Ursache identifizieren (z. B. zu langer Stab) und sofortige Maßnahmen wie ein Downsizing (kürzerer Stab) oder den Einsatz von gewebedrückenden Anti-Wildfleisch-Plättchen (No-Pull Discs) anordnen.
-
Wichtige Abgrenzung: Kein Keloid und keine Infektion; bildet sich bei Ursachenbehebung vollständig zurück.